Der Fall und Stand des guten Gewissens

Man bringt sich hin und wieder in die Lage, zu etwas Stellung nehmen zu müssen. Im Falle der Piratenpartei weiss jetzt jeder, dass ich von Jörg Tauss rede. Dieser Umstand ist aber vielleicht ein guter, weil ich sowieso darüber nachdenken möchte. Dazu sollte man zunächst sagen, dass ich mit mir zu keiner Zeit nicht im Reinen mit den Ereignissen seit Beginn des Wahlkampfes war und das auch im Hinterkopf behalten, wenn man den folgenden Text liest. Ansonsten bleibt nur zu sagen, dass ich hier nicht mit Prozessbeobachtungen und Analysen zum Fall und Prozess langweilen werde, die anderswo besser dokumentiert wurden als ich das könnte. Hier geht es um mein Erleben, meine Haltung und meine Schlüsse zu dem Fall und zum Menschen Jörg Tauss. Und generelle Positionen und Haltungen, die ich im Zusammenhang erwarte.

Zunächst sollten wir meine Verbindungen zu Jörg Tauss klären, was schnell erledigt ist: Wir sind Mitlieder (genauer: waren Mitglieder) der gleichen Partei. Ich bin Jörg Tauss bei zwei Gelegenheiten begegnet; zum ersten Mal bei der von ihm als Abgeordneten organisierten politischen Bildungsreise nach Berlin (diverse Fotos) und zum zweiten bei einem Piratenpartei-Barcamp in Dortmund (erstes Foto). Das wars in etwa. Ich habe mich nicht lange oder tiefgreifend mit ihm unterhalten. Zu meinem Eindruck kommen wir später.

Von Jörg Tauss habe ich schon vor der Sache gehört, eher am Rande vor ein paar Jahren und dann während des Aufkommens eines Sicherheits- und Kontrollwahns von Herrn Schäuble und Frau von der Leyen, weil er als Politiker seine seltene, vernünftige Meinung zu diesen Themen lautstark vertrat. Meine Wahrnehmung am Rande änderte sich im Wahlkampf 2009 mit der Hausdurchsuchung , dem medialen Verriss des Menschen und der, milde gesagt, traurigen Reaktion der SPD. Ich hatte den Eindruck, dass dem Menschen Unrecht widerfährt, ungeachtet ob und eben gerade wegen dem Vorwurf und in voller Missachtung der gültigen Unschuldsvermutung.
Trotzdem hatte ich zum Parteieintritt zugegebenermaßen gemischte Gefühle. Der Effekt war ein Erdbeben; mit der gewonnenen Bekanntheit kam die Notwendigkeit, Stellung zu beziehen, diskussions- und informationsfest zu sein. Man war nun nicht mehr aus der weltfremden Internet-Spinnerpartei, sondern aus der weltfremden Internet-Spinnerpartei mit dem schwulen, pädophilen Kinderschänder. Das hat einem das Leben im Wahlkampf nicht leichter gemacht.
Trotzdem war ich auch froh über den Parteieintritt. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob es keine schlechte PR gibt. Mir drängte sich aber der Gedanke auf, dass der Mensch, der ein vorweisbares Engagement und Fachwissen in der Netzpolitik, Medienpolitik, Bildungs- und Forschungspolitik von 16 Jahren Erfahrung als Mitglied des Bundestages hat, nicht die kleinste Bereicherung für die Partei wäre.

Einschub einiger Fakten:
Jörg Tauss hat kinderpornografisches Material beschafft, besessen und dies von Anfang an zugegeben. Er gibt als Grund hierfür die Recherche für seine Arbeit im Bundestag an. Er hat nachweislich auf diesem Gebiet bereits gearbeitet. Er hat sich nicht rückversichert, das Material nicht entsprechend gekennzeichnet oder gelagert und niemanden über diese Recherche informiert.
Es gibt zu diesem Zeitpunkt ein nicht rechtskräftiges Urteil, das sagt, dass sich Jörg Tauss kinderpornografisches Matierial beschafft hat und dies nicht hätte tun dürfen; auch nicht aus den von ihm angegebenen Recherchezwecken in seiner Funktion als Fachpolitiker im Bundestag. Jörg Tauss ist vor diesem Hintergrund aus der Piratenpartei ausgetreten.

An dieser Stelle bleibt für mich nun festzustellen, dass ich nicht beurteilen kann, warum Jörg Tauss gehandelt hat, wie er es getan hat. Man kann durch die Charakterbeschreibungen und nachlesbaren Hintergründe durchaus plausibel ein Bild malen, in dem Jörg Tauss arglos und naiv das Richtige tun zu glaubt, während er gehandelt hat, wie und warum er es angibt. Man kann auch davon ausgehen, dass nur Vorwände benutzt werden, um einer Strafe zu entgehen. Aber Beurteilen kann es tatsächlich niemand – wir können nicht in Köpfe sehen, nur eine Annäherung an die Wahrheit ist möglich. Die abschließende Beurteilung ist Aufgabe des Gerichts.
Ich kann nicht nachvollziehen, in wie fern dieses Urteil gerechtfertigt ist. Mir fehlt Fachwissen, Informationen und Überblick. Ich kann nur feststellen, dass meinem Empfinden nach ein Rechtsfrieden nicht hergestellt wurde, dass ich eine Sympathie empfinde und dem Menschen Jörg Tauss alles Gute wünsche, was auch immer das tatsächlich bedeutet. Eine Revision wäre allein schon zur Klärung der offen gebliebenen Fragen zu zweifelhaften Methoden der Staatsanwaltschaft mit den Medien und den Rechten eines Bundestagsmitglieds wünschenswert.

Zurück zu den Fakten.
Mit dem Eintritt in eine Partei, speziell die Piratenpartei, bindet man sich an gewisse Spielregeln. Zunächst an das Gesetz. Für jeden Menschen gilt die Unschuldsvermutung, bis Schuld festgestellt wurde (also ein abschließendes, rechtskräftiges Urteil ergeht). Bis dahin darf dieser Mensch alle ihm gegebenen Rechte ausüben. Entsprechend darf ein Mensch unter diesem Umstand in die Piratenpartei eintreten und dies ist ihm nicht zu verwehren. Alle Rechte als Parteimitglied sind zu gewähren. Und damit ist das Thema erledigt.
Des Weiteren bindet man sich an die Spielregeln des Rechtsstaates: Ein rechtskräftiges Urteil wird anerkannt. Mit dem Eintritt in die Piratenpartei bindet man sich daran, im System zu arbeiten und hat es anzuerkennen. Dies ist nicht optional. Dafür steht die Partei.

Die Integrität, die die Piratenpartei im Umgang mit Jörg Tauss bewiesen hat, wird nicht nur durch Wahlergebnisse bestätigt, sondern festigt mich in dem Entschluss, trotz der chaotischen, jungen Struktur, trotz Querulanten und Uneinigkeit, trotz den in diesem Wachstumsstadium erwartbaren und doch nicht weniger belastenden Problemen in dieser Partei für die Ziele, unter denen sie sich zusammengefunden hat, zu arbeiten. Es wurden die unbequemen und schwere, aber richtigen Entscheidungen getroffen. An dieser Stelle kann sich die Piratenpartei getrost auf die Schulter klopfen, das Haupt heben und auf etwas verweisen, was keine andere Partei in letzer Zeit geschafft hat.

Dass Jörg Tauss aus der Partei nun austritt, ist kaum vermeidbar und zeugt von der Rücksicht, dem Problembewusstsein und der Dankbarkeit, die er der Partei entgegengebracht hat. Dieser Entschluss verdient Respekt, weil er aus freien Stücken kommt und nicht etwa durch eine Parteisatzung unumgänglich wäre. Wut, Trauer, Häme sind hier fehl am Platz. Davon auszugehen, wir würden einen Streiter für die Sache verlieren, weil Jörg Tauss aus der Partei austritt, sollte durch eine kurze Recherche der Person ausgeräumt werden. Davon auszugehen, man müsse nun nachtreten, demonstriert ein unwürdiges Verhalten und ein Unverständnis des Leides, das dem Menschen in aller Öffentlichkeit zuteil wurde; ungeachtet seiner Taten. Man kann hier nichts tun, außer die eigene Unzulänglichkeit bei der Beurteilung anzuerkennen und die Ungereimtheiten des Urteils den Beteiligten zur Klärung zu überlassen.

Die Partei selbst hat zahlreiche Baustellen, um die es sich weiter und überhaupt einmal zu kümmern gilt. Es bleibt Grund zur Zuversicht, denn neben einem faden “wir haben viel geschafft” bleibt ein viel aussagekräftigeres “wir haben ein gutes Gewissen. Wir haben uns nichts vorzuwerfen und demonstriert, dass wir den Rechtsstaat auf eine Weise achten, wie es in der Parteienlandschaft beispiellos ist. Wir haben Durchaltevermögen und Integrität bewiesen, und das ist ein Qualitätsmerkmal, das mehr über uns sagt und uns auf lange Sicht weiter bringt als jedwede Form von Populismus aus Angst vor Presse und Öffentlichkeit.

Innovation am Beispiel Apple

Der vorletzte Artikel drehte sich um eine Ausprägung des Netz-Lieblingsthemas Apple – interessanterweise kam dabei ein Argument in der Diskussion auf, das viele Streitpunkte auf das Thema Innovation zurück führte. Ich möchte deshalb die wirtschaftliche Seite und den visionären Aspekt von Innovationen am Beispiel Apple betrachten.

Wem das Wort “Innovation” durch die inflationäre Nutzung so weich gekaut wurde wie mir, braucht erst eine Basis, um es wieder sinnvoll einsetzen zu können:
Eine Definition von Innovation geht auf Joseph Alois Schumpeters Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung zurück und sagt lose, dass sich ein Unternehmer dadurch ausmacht, dass er am Markt neue Kombinationen durchsetzt. Das Durchsetzen ist von Bedeutung; eine Innovation, die sich nicht durchsetzt, ist entsprechend wenig ertragreich.

Innovationen durchzusetzen, anstatt eine iterative Entwicklung der Waren zu setzen und “Dienst nach Vorschrift” zu machen, ist aufgrund der Monopolrente interessant: Als alleiniger Anbieter einer Innovation kann man den Preis für diese zu einem gewissen Grad bestimmen, bis die Konkurrenz aufholt.

Die IT-Branche bietet eine gute Auswahl an Beispielen: Kaum ein Produkt, dass sich durchsetzt, war wirklich das erste seiner Art. Wo etwas erfunden wird, wird es noch lange nicht erfolgreich vermarktet. Die grafische Benutzeroberfläche ist ein populäres Beispiel: Erfunden bei Xerox, auf dem Markt eingeführt von Apple, größter Gewinner war Microsoft. Erfinden, Erkennen, Durchsetzen.

Was gerade mit dem iPad passiert, ist eine größere Innovation bei dem Versuch ihrer Durchsetzung: Die Fingerbedienung wird von ihrem gewohnten Telefon-Umfeld, wo die Grenze zwischen Tastatur und Bildschirm auch räumlich klein war, auf alltägliche Computerbedienung übertragen. Der Weg des iPads ist dabei keineswegs kurz: PDAs (z.B. Apples eigener Newton) sind die direkten Vorfahren und Tablet-Computer versuchen sich seit Jahren an einem Durchbruch. Der Slate-Formfaktor ohne Tastatur krankte bisher vor allem an Apples zentralen Vorteil beim iPad: Der Software, genauer: der fingerfreundlichen Benutzeroberfläche.

Für Bildschirme mit Papierblatt-Größe wurde bisher keine spezielle Software entwickelt; ein Windows mit ein paar Stifteingabe-Programmen musste reichen. Microsoft krebst an dieser Hürde: Windows 7 wird für Tablet-Computer beworben, kann aber kaum in nützlicher Weise mit Fingern bedient werden. Man muss anerkennen, dass die Stifteingabe gut gelöst ist – aber das System lässt sich mit einem Stift auch nicht befriedigend bedienen. Googles Android-System ist auf Telefonen bald auf dem Niveau der Apple-Software – auf Tablets dominieren Zweckumbauten der Hardware-Hersteller. Palm wurde gerade von HP gekauft – damit steht dem WebOS vielleicht (und hoffentlich!) eine Zukunft auf Tablet-PCs bevor, aber bis dahin braucht es noch Zeit.

Apple liegt also in Sachen Technologie weit vorne. Es hat auch die Ressourcen und die Tradition, eine Innovation am Markt durchzusetzen. Angefangen hat das mit dem persönlichen Computer, dann dem iPod, dem iPhone und nun vielleicht dem iPad. Bei Apple bleibt natürlich auch einiges auf der Strecke, etwa der Newton und der AppleTV – wobei letzterer vielleicht noch nicht ganz tot ist.

Es gibt nun zwei Faktoren, die meiner Ansicht nach die Durchsetzung dieser neuen Kombination gefährden: Erstens wäre da der traditionelle Apple-Aufschlag (aka Feenstaubsteuer) und zweitens die neuere Plage der Computerwelt: ein geschlossenes und kontrolliertes Ökosystem für Anwendungen (aka Appstore).
Die Entscheidungen sind diese:

  • günstiger Einführungspreis und entsprechend schnellerr und breitere Marktabdeckung oder größere Monopolrente und diverse psychologische Effekte
  • kontrollierbare und regulierbare Entwickler, Angebot und Qualität der Leistungen oder freiere Entwicklung, mehr Angebot und nicht kontrollierbare Qualität der Leistungen

Betrachtet man den Erfolg von iPod und iPhone, kann man beide Entscheidungen problemlos so rechtfertigen, wie Apple sie getroffen hat. Der hohe Einführungspreis ist bei der inzwischen großen Apple-Kundschaft schon akzeptiert und das geschlossene System hat sich beim iPhone bewährt. Mit der Kontrolle des Werbemarktes auf iPhone und iPad, die jetzt ansteht, wird es sich für Apple um so mehr lohnen. Das Cross-Selling zwischen Apples Produktkategorien (iPod, iBook, iPhone, iAlles…) hat bisher funktioniert.

Das iPad ist seit einem Monat auf dem amerikanischen Markt erhältlich und Apple rühmt sich in den USA heute mit einem Absatz von über 1 000 000 Geräten – für ein paar Wochen Verkauf von einem Gerät, das kein anderes wirklich ersetzt, eine sehr respektable Verkaufsmenge.

Eine Konkurrenz zeichnet kaum ab – WePad hier, JooJoo da. Aus dem Android-Lager kommen derzeit die meisten Konkurrenten – und hier in Form von wenig fähigen $200-Geräten. Die ernst zunehmende Konkurrenz, Tablets mit Tegra2-Chipsatz, lassen trotz lauter Ankündigung auf sich warten.

Der Erfolg des iPads wird sich also so schnell nichts in den Weg stellen. Kunden, die mit einem geschlossenen System nicht leben wollen, werden es sich – wie beim iPhone – bequem freischalten und indirekt von Apple dadurch der Nutzung von Raubkopien und der Blockierung der Apple-vertriebenen Werbung näher gebracht.

Apple kann man also zu zwei Gelegenheiten gratulieren:
Zeitnah: Weil das iPad ein wirtschaftlicher und den Markt beeinflussender Erfolg wird – den Markt beherrschend ist mir noch zu weit gegriffen.
Langfristig und wichtiger: Apple hat offenbar eine Strategie und eine Vision entwickelt, den Computer immer weiter der Umgebung der Menschen und ihnen selbst anzupassen – und die dabei entstehenden Innovationen am Markt durchzusetzen.

Auch, wenn sie nur ein großer iPod touch sind.

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Benchmarking

Im Zuge meines M.A.-Studiums Innovations- und Change-Management könnte es hier auf absehbare Zeit etwas VWL/BWL-lastig werden. Ich habe vor, diverse Studieninhalte hier zu verwerten – quasi als Schnupperstunde in mein Studium. Wenn möglich, sollen auch Bezüge zu anderen Blog-Themen hergestellt werden. Und los gehts:

Benchmarking wird beschrieben als eine methodische und systematische Analyse zum Zweck eines Vergleiches von Prozessen, Strategien und Produkten innerhalb einer oder zwischen verschiedenen Organisationen. Ziel des Vergleichs ist das Ermitteln des besten Beispiels (”best practice”) und dessen Adaption. Ein Benchmark ist dabei ein Referenzpunkt – der Begriff wird gerne auf die Markierung an der Werkbank zurückgeführt.

In der Entwicklung des Benchmarkings gibt es grob drei Phasen:
Anfang des 20. Jahrhunderts hat Henry Ford die Idee der Fließbandproduktion von einer Großschlachterei auf die Automobilfertigung übertragen, um die 50ger bis 70ger Jahre wurde der Begriff dann in verschiedenen Disziplinen verwendet – unter anderem auch in dem heute geläufigen Gebrauch bei dem Vergleich von Computerleistungen. Xerox führte 1979 Benchmarking als Managementkonzept ein und begründet damit die heute geläufige Bedeutung des Begriffs.

Inwischen gibt es nationale und internationale Organisationen, die Benchmarking bewerben, verbreiten und Benchmarking-Partner vermitteln. In Deutschland ist eine Anlaufstelle das Deutsche Benchmarking-Zentrum und international das Global Benchmarking Network.

Unterscheidungen gibt es bei Benchmarkings nach, Ursprung der Daten und dem Gegenstand des Vergleichs.
Daten können aus dem eigenen Unternehmen kommen (Internes Benchmarking) oder von einem fremden (Externes Benchmarking). Internes Benchmarking hat den Vorteil, dass die Risiken gering ausfallen: möglicherweise sensible Daten verlassen das Unternehmen nicht. Der Nachteil ist, dass auch der mögliche Erkenntnisgewinn stark eingeschränkt ist: bei einem Externen Benchmarking sieht man über den Tellerrand und vergleicht sich mit branchenfremden Organisationen (Branchenunabhängiges Benchmarking), den direkten Mitbewerbern (Konkurrenzbezogenes Benchmarking) oder einer Branche (Branchenbezogenes Benchmarking).

Hier wird immer Risiko gegen nutzen aufgewogen – der Kompromiss des Branchenunabhängigen Benchmarkings ist, dass zwar der direkten Konkurrenz kein Einblick in das Unternehmen gegeben wird, aber trotzdem der Erkenntnisgewinn eines Vergleichs mit andere Organisationen ermöglicht wird.

Nach dem Vergleichsgegenstand ergeben sich folgende Unterscheidungen: Produkt-BenchmarkingProzess-BenchmarkingStrategisches Benchmarking. Ein Beispiel für Produkt-Benchmarking wäre Reverse Engineering – das Sezieren und der Nachbau des Konkurrenzproduktes zum Vergleich des Aufbaus und der Komponenten mit dem eigenen Produkt. Prozess-Benchmarking und Strategisches Benchmarking sind abstrakte Kategorien;  Strategien und Prozesse in Organisationen sind nicht leicht zu beschreiben und zu erfassen – das Übertragen und die Schaffung von Vergleichbarkeit erfordern Aufwand.

Als Beispiel zur Abgrenzung soll der Betriebsvergleich dienen: Der Betriebsvergleich ist unsystematisch und intuitiv, beruht auf Sekundärquellen und verfügt (auch daher) über einen geringen Grad an nutzbaren Details. Er ist beschränkt auf Rechnungswesen, Bilanz und eingesetzte Technik sowie auf gesamte Unternehmen – ein Vergleich Prozessen ist nicht möglich.

Die Probleme des Benchmarking sind vielfältig: Zunächst kosten gründliche Analysen nicht nur viel Geld, sondern gegebenenfalls auch Arbeitszeit betriebseigener Experten, weil Prozesse schwer vergleichbar sind und daher Experten für die Analyse benötigt werden. Bei vielen Arten des Benchmarkings ist ein Austausch von sensiblen Daten notwendig – selbst innerbetrieblich sind zwischen Abteilungen oft Barrieren vorhanden, die eine Durchführung erschweren. Eine Atmosphäre des Vertrauens und eine Unternehmenskultur, die sich den Vorteilen von Benchmarking und der Bedeutung von ständiger Entwicklung betont, ist notwendig.

In der Volkswirtschaft wird Benchmarking auch für Standortvergleiche genutzt, etwa für Länder (z.B. im Global Competitiveness Report), Regionen oder Branchen.

Soweit zu einer kleinen Zusammenfassung über Benchmarking. Zum Einstieg in das Thema (und als Quelle für diese Informationen) kann man Siebert, G./Kempf, S. (2002) lesen, Wikipedia tuts aber dafür auch. Der interessierte Leser sucht vielleicht lieber direkt Literatur für sein Bezugsgebiet (”Benchmarking in der Bildung” stach mir ins Auge), die ist dann vermutlich auch deutlich stärker an Seiten ;)

Quellen: