Organisations-Infrastruktur für kleine bis mittelgroße, flexible Gruppen am Beispiel von Piraten-Ortsgruppen

Posted on 13th Mai 2012 in Management, Organisation

Ich gehe ja meist nicht diskret damit um, dass ich bei den Piraten bin – was ich aber bei den Piraten tue, das wissen wenige (kurz: verschiedenes). Gerade bietet sich hier ein schönes Beispiel an, dass zudem als Inspiration für Gruppen und Vereine mit ähnlichen Anforderungen dienen soll.

Nach zwei Jahren geographischen Deplacements bin ich aktuell wieder am Stammtisch* Freiburg aktiv und treffe dort viele alte und neue Piraten (was mich beides sehr freut). Die Treffen umfassen derzeit zwischen 15 und 30 Leute und finden in Gaststätten statt. Das Aktivierungspotential und der Einzug des Stammtisches umfasst aber wesentlich mehr Piraten. Die Organisationsform des Stammtisches hat sich in Freiburg (Universitätsstadt, 220000 Einwohner) gut bewährt und bisher keinen Kreisverband benötigt. Die Treffen selber sind wöchentlich, mit abwechselnden Schwerpunkten (Dienstagstreffen zum Kennenlernen, Donnerstagstreffen für Arbeit mit Tagesordnung). Der Stammtisch stützt sich in Sachen IT dabei auf Mailingliste, eine Wikiseite und eine Teaminstanz im Piratenpad. Zur Kommunikation gibt es einen Twitteraccount, eine Facebookseite und einen Blog.

Ich hatte vom Stammtisch bei meinen Besuchen den Eindruck, dass sich Zuständigkeiten und Wege eingetreten haben, die ihn handlungsfähig machen und sich bewährt haben (read: ich bin stolz darauf, dass ich so fleißige und kompetente Piraten kenne <3).

Aktuell sind die Stammtische sehr gut besucht (wie das bloß kommt), woraus sich das Problem ergibt, dass man in Gaststätten² kaum 30 Leute an einen Tisch bekommt und mit allen in produktiver Form eine lange TO abarbeiten kann. Entsprechend bin ich, wenn ich moderiere, bemüht, die TO möglichst effektiv und schnell abzuarbeiten. Da ich den Eindruck bekam, dass dabei immer viel Zeit für Metadaten, Zuständigkeiten und allgemein für die Gewinnung eines Überblicks investiert wird. Ich habe mir ein paar Gedanken zum Thema gemacht und letzten Donnerstag einen Vorschlag eingebracht.

Der Stammtisch hat positiv auf den Vorschlag reagiert, eine FrAG³ Backoffice zu gründen, die Verwaltungsarbeiten übernimmt und die Übersicht über die Arbeitsdaten erleichtern soll. Ich habe mich sehr gefreut, dass sich beim Planungsgespräch im Anschluss gleich Stephie und Serverin  als Mitstreiter gemeldet haben (<3). Als Voraussetzungen für unsere Arbeit musste die über drei Jahre gewachsene Struktur der Wikiseite entrümpelt werden. Hierbei habe ich, zugegebenermaßen, mit einer ordentlichen Portion Aktionismus und Eigenmächtigkeit nach den folgenden Kriterien eine Umbau- und Aufräumaktion in Pads und Wiki angestoßen…

  • Trennung von Arbeitsdaten und Archivdaten
  • Klare Adressen und Anlaufstellen für Beteiligung
  • Geringe Beteiligungsbarrieren
  • Offene und zugängliche Strukturen und Werkzeuge
  • maximal drei Klicks bis zum Mitmachen
  • Robustheit gegenüber fluktuierenden Zuständigkeiten
  • Skalierung von kleinen bis mittelgroßen Anwendergruppen (5-300 Personen)

Entsprechend sind alle im folgenden verwendeten Anlaufstellen offen zugänglich und mit einer kurzen Selbstbeschreibung oder Anleitung ausgestattet und verlinken alle weiterführenden Ressourcen. Und das vorläufige Ergebnis sieht wie folgt aus:

Tagespad – http://freiburg.piratenpad.de/tagespad

Portal für tagesaktuelle Aufgaben und Vorgänge. Enthält und empfängt ToDos für alle interessierten Piraten (ToDos to go, quasi…) und für die FRAG Backoffice. Außerdem Arbeitspad für aktuelle Planungen, Pressemitteilungen, Blogartikel und ähnliches. Alle ausgelagerten Planungspads für anstehende Aktionen sind hier verlinkt.

Protokollpad – http://freiburg.piratenpad.de/protokolleDer Name täuscht etwas: Dieses Pad wird zunächst mit einer leeren Vorlage für ein Protokoll gefüllt und in diese Vorlage werden Tagesordnungspunkte (TOPs) für das nächste Treffen eingetragen. Beim Treffen wird diese TOP-Liste dann zum Protokoll erweitert. Nachdem das Protokoll geprüft wurde, wird es sofort im Wiki abgelegt. Somit ist das Pad die zentrale Anlaufstelle für Sitzungsplanung und -Nachbereitung. Maximal sind zwei Inhalte in diesem Pad: Das Protokoll des letzten Treffens zur Kontrolle und die Sammlung der TOPs für das nächste Treffen.

Protokollarchiv im Wikihttp://wiki.piratenpartei.de/BW:Stammtisch-Freiburg/Protokolle

Protokolle können über ein Formular mit Vorlage auf Knopfdruck direkt von der Stammtisch-Wikiseite erzeugt werden und werden dann in einer Kategorie gesammelt und unter der oben angegeben Adresse angezeigt.

Vorlagen im Wikihttp://wiki.piratenpartei.de/BW:Stammtisch-Freiburg/Vorlagen

Auf dieser Seite werden alle Vorlagen gesammelt und abgelegt, etwa für das Protokoll und Checklisten für Infostände.

Wiki-Startseitehttp://wiki.piratenpartei.de/BW:Stammtisch-Freiburg/

Diese Seite ist die Hauptanlaufstelle für die Arbeit rund um den Stammtisch (im Gegensatz zu Anlaufstellen für Informationen über Piratenaktivität in der Region) und entsprechend verlinkt. Sie enthält alle wichtigen Links in übersichtlicher Art und Weise angeordnet. Doppelungen werden vermieden.

Die Verlagerung möglichst vieler aktiv genutzter Daten in Pads dient dabei neben dem schnellen Zugriff vor allem auch dem Abbau von Beteiligungshürden – ein Pad mag beim ersten Anblick verwirren, ist aber meist kein Vergleich zu Mediawiki-Syntax.

So weit bisher – Evaluation und Ergänzung folgen. Ideen und Feedback sind erwünscht :)

*Ich bin kein Fan des Begriffs Stammtisch, aber das ist ein eigenes Thema…
² Die Problematik des Versammlungsortes ist ebenfalls ein eigenes Thema…
³ Freiburg-Arbeitsgruppe

Piraten, immer nur Piraten

Posted on 22nd Oktober 2011 in Politik

Jens macht es einem als Pirat nun beileibe nicht leicht, ihm zu folgen (pun intended). Den “Machst du es irgendwo besser?”-Reflex muss man erstmal runterwürgen; ohne irgendwo Rechenschaft ablegen zu müssen scheint es leicht, den Finger in fremde Wunden zu legen.
Es lohnt sich trotzdem öfter mal. Ich habe also zwei Anmerkungen, die erste ist dreiteilig…

Die Piraten sind zum großen Teil ein streitlustiger, mal mehr, mal weniger motivierter Haufen an Experten, die nicht in ihrem Fachgebiet arbeiten. Ich vermute, dass deshalb die Lösungssuche für dezentrale Beteiligungsprozesse etwas besser und die programmatische Arbeit schleppender läuft – bei selbst organisierten Gruppen ist es nicht so leicht, immer einen Polithistoriker, einen Juristen und einen Organisator dabei zu haben, von Fachexperten mal zu schweigen. Nun könnte man Einwerfen, dass wir nun einmal alles ehrenamtlich machen, mit Verweis auf die Occupy-Bewegungen wegwischen – aber die gibt es noch keine 6 Jahre in einer sich ständig entwickelnden und schubweise wachsenden Form. Wir brauchen auch nicht nochmals beweisen, dass wir große Kraft in kurzer Zeit aufbieten können.

Nun sind aber unsere Mitglieder zwar punktuell in größeren Zahlen aktivierbar, aber nicht ständig tätig. Was keinem von ihnen, so sie denn auch nicht destruktiv tätig sind, zum Vorwurf gemacht werden kann. Aber es bedeutet in der Konsequenz, dass der Großteil der ständigen Arbeit von wenigen gemacht wird. Man muss bedenken, wie viel Zeit wir uns auf Parteitagen nehmen, die Mutigen von den Wahnsinnigen zu trennen, um sie dann ehrenamtlich den Vorstand einer Partei mit (damals) 12 000 Mitgliedern antreten zu lassen und damit die Mutigen und Fähigen in die Hände ihres eigenen Zeitmangagements im Kampf gegen den Burnout zu übergeben. Undankbarer Irrsinn! Dabei erwartet Bürger und Journalist schon von jedem, der nur am Infostand steht, dass Wiki auswendig zu kennen und jede Frage zu beantworten, als würde man täglich zwei Stunden lang Interviews geben.
Aber dann leisten Leute wie unsere politische Geschäftsführerin umwerfende Auftritte, beweisen Resistenz und Kühnheit in einem Ausmaß, das jeden Kritiker umgehend als bornierten Querulanten verblassen lassen und jeden Mailinglistentroll mit einem Hauch verstand Ehrfurcht einflößen. Und ich habe jetzt noch nichts zu Alter und Berufserfahrung der Person gesagt.

Um nun die Kurve zu kriegen: Ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass Piraten immer weniger die Prinzipien klar sind, die mir noch 2009 im Wahlkampf als die einigenden Nenner der Partei schienen. Das Programm war dünner und trotzdem konnte man Menschen auf der Straße anhand von Prinzipien erklären, wie sich Piraten positionieren, ohne das ausformuliert auf totem Holz stehen zu haben.
So erkläre ich mir auch, dass unser Grundsatzprogramm besser weg geht als die hübschesten Flyer, die wir aufbieten können. Mir wirkt es zudem so, als sei der Parteibasis die an den Piratenprinzipien geführte Argumentations- und Denkweise entglitten. Das geht so weit, dass von Vorständen die Definition von Werten gefordert wird – das muss man sich im Piraten-Kontext mal auf der Zunge zergehen lassen.
Vielleicht ist die Mitgliederbasis zu breit gestreut, vielleicht sind die klaren Prinzipien von 2009 auch 2009 eigentlich schon nicht ausreichend gewesen. In jedem Fall befinden wir uns als Partei in der Not, mit philosophischem, und vielleicht auch historischem, Sachverstand nieder zu schrieben, was uns leitet – in einer Sprache, die der Bürger, der Pirat und der anspruchsvolle Kritiker versteht. Als Markierungen für die Startbahn, von der wir gerade abheben.

Was Sebastian Nerz angeht, so haben wir ihn sicher für seine Fähigkeiten gewählt – aber vielleicht nicht als Erklärer und Kommunizierer zur Öffentlichkeit hin. Es ist offenbar nicht seine Stärke. Sein Stellvertreter, der Schatzmeister, der Generalsekretär und der und die Beisitzer/in arbeiten auf beeindruckende Weise und man sieht von außen davon so wenig, wie man vielleicht vom internen Wirken des Vorsitzenden sieht. Einen Berliner haben die Medien ja auch schon lieb gewonnen, der da seine Qualitäten ausleben kann. Wenn der Bundesvorstand seine Aufgabenverteilung prüfen würde, würde mich das freuen.
Genauso, wie es mich freuen würde, wenn andere Bündnisse und Netzverfechter die Piraten als Freund verstehen und behandeln würden, der manchmal einen guten Ratschlag braucht – wie es ihnen selbst nicht anders geht. Demut schadet in dieser Debatte niemandem. Aber den Piraten ihren Beitrag bei der Veränderung dieser Gesellschaft abzusprechen oder anzudeuten, wir könnten am Ende mehr geschadet als beigetragen haben, weise ich als unverschämt zurück. Wir, die Netz- und Zukunftsverfechter, haben nun verschiedene Institutionen geschaffen, die alle eigene Zwecke erfüllen. Alle motivieren unterschiedliche Menschen zur Beteiligung. Vielleicht täte es gut, die gemeinsame Richtung klarer abzustimmen.

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Die Antwort auf das Internet, das Universum und den ganzen Rest

Posted on 25th Mai 2011 in Gesellschaft, Kultur, Politik

Vielleicht ist das vermessen von mir, mich jetzt hier aufzuregen. Ich bin kein Internetnutzer der ersten Stunde. Ich bin gerade noch so in einer Zeit in die Computerwelt und das Netz eingestiegen, in der man nicht ganz umhin kam, sich auch technisches Verständnis aneignen zu müssen. Ich kann Computerteile zu einer funktionieren Maschine zusammenfügen. Ich kann nicht programmieren, meine Kenntnisse beschränken sich da auf ein paar Schulstunden. Ich würde mich als mündigen Nutzer beschreiben.

Ich rege mich natürlich trotzdem auf; über die größere Zahl der Netznutzer, die heute ignorant gegenüber der Technik sind, mit der sich sich bewegen. Und diese Gruppe wächst durch die Massen junger Menschen, die soziale Netzwerke selbstverständlich nutzen ohne dazu grundlegende Kompetenzen zu besitzen. Die iPad- und Chromebook-Zielgruppe.

Etablierte Vertreter konnte man auf der re:publica XI im Kontrast zu Aktivisten, Politikern und Vordenkern gut beobachten. Etwa Blogger ohne Thema und Interesse, denen das Szenetreiben wichtig ist, aber sonst wenig. Leute, die einem in der Ticketschlange sagen, sie wüssten nicht, ob das UMTS-Netz überlastet sei; sie hätten ihr eigenes. Sie hätten auch keine Lust, für die WLAN-Nutzung ihr Passwort zu ändern, sie würden ja schon immer und überall das gleiche nutzen. Und gehen dann bei der Abendveranstaltung auf die Bühne, um zu verkünden, sie wären ja jetzt 13 Jahre im Netz unterwegs. Okay, natürlich halte ich den durchschnittlichen Besucher der rp11 für wesentlich kompetenter.

Von allen Seiten hallt es gerade, diese Netzbefüller mögen doch jetzt bitte mal den Rest der Gesellschaft mitnehmen. Das kann niemand wirklich wollen.
Natürlich könnten auch die Aktivisten, Politiker und Vordenkener gemeint sein – aber die machen das doch schon. Auf vielen Gebieten. Und die Webdesigner, Social Media-Berater und wie sich die neuen Berufe noch nennen? Die sollten sich vielleicht eingestehen, dass die Professionalität den eigenen Reihen weit zu wünschen übrig lässt.

Szenenwechsel: 27c3, der 27. Chaos Communication Congress des Chaos Computer Clubs in Berlin. Ganz anderer Eindruck: mattes Schwarz dominiert bei Kleidungs- und Computerfarbe. Wieder viele interessante Menschen – zum Teil einfach die gleichen wie vier Monate später auf der re:publica XI. Aber das Grundrauschen ist anders. Geschäftiger. Es fühlt sich familiärer an und Ego scheint eine kleinere Rolle zu spielen. Keine sponsorbeladenen Namensschilder. Hier gehört es zum guten Ton, eMails auch GPG-verschlüsselt verschicken zu können – die eigene Festplatte ist sowieso verschlüsselt. Manche bringen ihre persönlichen Daten garnicht erst mit auf den Kongress.

Sind das jetzt die Lehrer, die man sich für die Gesellschaft in Sachen Netz wünscht?
Zwar ist hier jeder gern bereit, sein Projekt vorzustellen, Fachgespräche zu führen und GPG erklärt man sicher auch gern noch (mit einem müden Lächeln und etwas Kopfschütteln). Aber das Nutzen von HTTPS-Verschlüsselung? Man wünscht sich doch, dass Grundlagen bitte erstmal angelesen werden (Fachtermini: “RTFM”) und man dann maximal mit einer interessanten Frage zu einem Thema wieder kommt. Dabei will ich wirklich nicht dem CCC vorwerfen, nicht offen für Interessierte zu sein – im Gegenteil, ich habe den 27c3 als sehr freundliche Veranstaltung erlebt. Aber als Ausbildungsbehörde für die Bevölkerung sieht weder der CCC sich noch ich ihn.

Die Piratenpartei soll natürlich als Anspruchsgruppe hier nicht vergessen werden. Die Beschäftigung mit sich selbst, die ihr immer wieder vorgeworfen wird, halte ich für einen völlig notwendigen Prozess. Die Ziele der Partei und die Ansprüche, die gerade kritisch-sympathisierende Mitglieder gerne erheben, halte ich für völlig überzogen. Die Piraten wählen sich mehr Themen, als sie mit ihren aktiven Mitgliedern bearbeiten können und bekommen von außen noch mehr Themen zugeschrieben. Dabei muss sie ihre Existenz nicht mehr rechtfertigen, ihre direkten und indirekten Effekte haben das längst ausgeräumt – aber ihnen diese Aufgabe zuzuschreiben, wäre wahrlich zuviel verlangt und entspricht nicht der Körperschaft einer Partei.

Es bleibt die Option, dem Staat die Sicherstellung der Mündigkeit seiner Bürger aufzuerlegen. Das fände ich richtig. Wenn man aber einen Blick in die Lehrerbildung und die Politik wirft, verwirft man den Gedanken lieber schnell. Die SZ fasst die Situation zum EG8-Gripfel schön zusammen.

 

Was bleibt also über? Man hilft sich selbst, in dem man anderen Selbsthilfe ermöglicht.
Ich würde mir ein SelfHTML für das Internet wünschen. Ein lebendiges Lehrbuch für das Leben mit oder im Internet. Alle genannten Organisationen hätten das Potential, ein Interesse und die Möglichkeit dem beizusteuern. Auch und gerade die Regierung. Die könnte Device-Herstellern auch eine Selbstverpflichtung nahelegen, eine Verknüfung oder Offline-Variante zu diesem Lehrbuch auf ihren Geräten prominent zu platzieren. Im Interesse der Hersteller wäre das durchaus. Lehrer können es im Unterricht verwenden. Jeder kann es verwenden, überall.

Die Idee lässt sich schnell ausmalen:
Man setzt einen Server mit einer OpenSource-Software zum kollaborativen Buchschreiben auf. Man fängt an, man steckt eine Gliederung ab: Was ist ein Computer? Was ist ein Netzwerk? Was ist ein Browser? Wie surfe ich sicher? – das Rad muss nicht neu erfunden werden, aber eine Prise Didaktik und Textführung sollten die Lerntexte von Wikipedia-Texten abheben.
Und dann schreiben alle Interessierten, wozu die großen Organisationen sie aufrufen und das Netz es im Idealfall aufnimmt.

Ich wünsche mir, dass wir den “Hitchikers Guide to the Internet” schreiben.
In großen, freundlichen Buchstaben steht auf der Startseite:

 

Keine Panik

 

Tabletmarkt 2011: Apple machts sich gemütlich

Posted on 6th März 2011 in Android, Technologie

Apple liefert pünktlich das Update zu seinem von der Konkurrenz gerade erst wirklich angetasteten Tablet-Device aus und baut damit seine unangetastete Führung aus. Das neue Gerät ist eine Frischzellenkur, die an den Prinzipien des Gerätes nichts ändert – es gibt eben auch keine Not. Mehr vom Bewährten, und eleganter: Dünner, leichter, schneller. Und mit Kameras.

Bemerkenswert ist, dass sich Apple nicht dazu bringen konnte, das iPad alleine lauffähig zu machen: Das post-PC-Gerät, wie Apple es nennt, muss nach dem Kauf erst einmal an einen Computer mit iTunes angeschlossen werden. Das iPad hätte es nach seine Erfolgsgeschichte und dem Anspruch eines Gerätes, dass für viele Nutzer die kompletten Technologiebedürfnisse abdecken kann, durchaus die Eigenständigkeit verdient. Aber Apple wäre nicht Apple, würde man Kontrolle abgeben.

Neben den Kameras vorne und hinten (und der Apple-eigenen Videotelefonie-Software Facetime) ist die zweite echte Neuigkeit die Fähigkeit, den iPad-Bildschirm gleichzeitig über HDMI auszugeben. Standesgemäß für einen $39-Adapter. Wie die Notwendigkeit für Adapter für Apple akzeptabler ist als ein zusätzlicher Port am Gerät – ob Platz oder Ästhetik nun das Kriterium sind – muss nicht einleuchten.

Die Erfolgsgeschichte des iPads ist eben vor allem eine Blamage der Konkurrenz, die jetzt erst – ein Jahr nach der Vorstellung des iPad – ernst zu nehmende Geräte auf den Markt bringen kann (was größtenteils erst in den nächsten Monaten geschehen wird). Die Android-Faktion und der Rest (WeTab und das webOS-Tablet von HP) können derzeit noch nichts vorweisen. Ausnahme ist Motorola, das gerade das Xoom auf dem amerikanischen Markt bringt.

Die Riege aus RIM, HP und diversen Android-Herstellern stellt derzeit Tablets vor, die von der Leistung her dem iPad 2 je nach Komponente leicht über- oder unterlegen ist. Die Hardwareleistung ist wenig ausschlaggebend, lediglich USB-Host-Ports und ähnliche Anwendungen sind für manche Kunden ausschlaggebend.
Apple kann deshalb in Sachen Betriebssystem voll seine Erfahrung ausspielen und durch das (befremdliche) Beibehalten der Displayauflösung aus der ersten Generation auch alle bestehenden Apps ohne Änderung durch entwickler auf dem iPad2 anbieten. Die Konkurrenz baut auf eine frische Tablet-Version von Android mit wenig optimieren Apps – RIM und HP bauen gar eigene Systeme, die nicht offen sind. Ob HPs webOS von der vorherigen Verwendung auf Handys profitieren kann, ist nicht klar.

2011 wird für mobile Rechner das Jahr, dass 2010 hätte werden sollen – Apple wird das nicht stören. Die Konkurrenz hat für den Markteinstieg alle günstigen Termine verpasst. Inzwischen kann man selbst bei Apple-abgeneigten Nutzern die lauten Überlegungen beobachten, sich das iPad aus Trotz zu kaufen.

Nachvollziehbar. Ich brauch auch bald ein neues Netbook.

 

Querverweise
  • Die Wette, bei der ich mich ordentlich zugunsten des iPads verschätzt hatte, ist inzwischen beglichen.
  • Für das digitale Lesen dürfte das iPad durch neue Leichtigkeit und Dünne bequemer und daher attraktiver werden.
  • Eine bösere Zusammenfassung zum iPad2 (für die Konkurrenz) findet sich bei MacWorld.
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Digital Lesen 2010

Posted on 28th November 2010 in Kultur, Technologie

Warnung vorab: Das wird eine Bestandsaufnahme zwecks Orientierungshilfe, die sich kurz mit Lesegeräten und länger mit dem Ökosystem von eBooks befasst. Die Papier-vs-Reader-Diskussion wird von Kathrin Passig hier zu Grabe getragen und meine Haltung drückt dieses Zitat wunderbar aus:

Sowieso, Buchdiskussionen! Ich mach dann einfach ‘n müdes Gesicht, blätter weiter in meinem E-Book und warte die 8 Jahre bis ich recht habe.

Nachdem die Schmerzgrenze des Textausdruckens zwecks Studium nun endgültig erreicht (und außerdem das Papier alle) war, habe ich mich zum Erwerb eines Lesegerätes hinreißen lassen. Ich bereue nichts. Aber dazu komme ich am Ende; jetzt erstmal der Überblick.

Technik und Geräte

Die Lesegeräte (“eBook-Reader”) kommen oft mit kontrastreichem Monochrom-Display (aka E Ink) mit langsamer Reaktionszeit und gefühlt revolutionärer Akkulaufzeit. In Zeiten von “mein Smartphone muss alle 10h ans Ladegerät” hält mancher eBook-Reader einen Monat durch, weil das Display nur bei Veränderung der Darstellung Strom verbraucht – etwa beim umblättern. Zudem kann man mit diesen Geräten (meist noch) nur lesen. Eine Hintergrundbeleuchtung gibt es nicht, was das Lesen gegenüber jedem anderen elektronischen Display deutlich angenehmer macht. (Ja, wirklich.)

Damit wären wir bei der Alternative zu Lesegeräten: Tablet-Computer. Diese Geräte haben normale Displays und mehr oder minder alle Möglichkeiten eines Computers – also auch die, Text-, Buch- oder Bilddateien zum Lesen dar zu stellen (auf die Unterscheidung gehe ich später noch ein) und diese zu verändern. Der Akku hält bei diesen Geräten meist unter 10 Stunden.

Wie es bei elektronischen Geräten guter Ton ist, sind diese beiden Gerätegruppen mit fließenden Grenzen versehen und die vorangehende Darstellung dient dazu, die Pole sichtbar zu machen. Beispielsweise ist der populärste Vertreter der Lesegeräte, Amazons Kindle, ist mit experimentellem Webbrowser, WLAN und optional Mobilfunk ausgestattet
Auf der Seite der Lesegeräte gibt es inzwischen eine brauchbare Auswahl und interessante Spielarten. Bei Tablet-Computern gestaltet sich das ehr traurig: Ernst zu nehmen sind Apples iPad, Samsungs Galaxy Tab und … sonst ist nichts (ich habe da wohl eine Wette verloren). Es gibt für die nächsten vier Monate haufenweise Ankündigungen, die zu mindestens zum Teil auch schon hergestellt werden.

Bücher und Formate

Bei Lesegeräten sind die Geräte normalerweise an die Buchshops des Herstellers gebunden und als Konsequenz bevorzugen sie dessen Formate. Vorteil für Tablets: Auf dem iPad kann man sich etwa Amazons Kindle-Store und Apples iBook parallel installieren. Ansonsten liest man einfach mit Programmen, die nicht von einem Buchanbieter kommen.

Formate sind ein Problem. Es gibt einige und keins kann sich behaupten – unter anderem, weil Vertreiber immer noch auf DRM setzen. Kaum ein Gerät liest alle Formate, kein Gerät versteht alle DRM-Methoden. Niemand will aber Bücher, die er nicht weitergeben kann und über die er keine Kontrolle hat. Wozu führt das? Raubkopien.

Die sind meist im PDF-Format: Das ist ein Problem. Ein PDF-Dokument ist eigentlich ehr ein Bild mit Schreibschutz als ein Textdokument. Und Bilder kann man nur unschön flexibel darstellen -im Gegensatz zu flexibler Formatierung und Schriftgröße für bequemes Lesen.
Mit Sicherheit ist ein PDF kein Buch. Das ist leider nicht bekannt, auch nicht in der Wirtschaft: Das ansonsten vielversprechende paperc hinkt nicht nur an der Flash-Umsetzung (hier gelobt man unspezifisch Besserung), sondern auch an der Ausgabe von PDFs. Das ist bei vielen Anbietern auch so. PDF optional wäre schön – aber nur ergänzend zu echten Buchformaten.

Was also fehlt, ist ein Angebot in DRM-freien Buchformaten.

Verwaltung

Hat man sein Bücherregal auf dem Rechner, ist die zuverlässigste Verwaltung ein Ordnersystem nach Geschmack. Das Allein verbrennt aber Vorteile der digitalen Daten: Es braucht eine digitale Bücherverwaltung.

Neben der Möglichkeit, sich auf Shops zu verlassen und die Anbietersoftware zu nutzen (etwa bei Amazon recht bequem), bleibt die Selbstverwaltung. iTunes für Bücher heißt offenbar calibre und ist eine passable und mächtige Lösung – als Sahnehäubchen ist calibre Plattform übergreifend und Open Source. Tags, Buchreihen, Buchdaten, Titelbilder und so weiter und sofort… vorhanden und online abrufbar. Nett.

Textgattungen

Nachdem ich jetzt viel über Bücher geredet habe, fällt vielleicht auf, dass ich eigentlich wissenschaftliche Texte lesen wollte. Das ist kein so trivialer Unterschied: Artikel, Buchausschnitte etc. wollen sorgsam mit Metadaten verbunden sein, die Calibre nicht kennt. Ich habe noch keine elegante Lösung für meinen Nutzungsfall gefunden, auch, wenn ich natürlich trotzdem schon die Texte lesen kann (und hin und wieder über unsaubere Scans fluche).

Hier hat offenbar das iPad die Nase klar vorn: René schwärmt mir bei jeder Gelegenheit von Papers vor. Wenn man sich auf Mac festlegt und Open Source nicht vorzieht, mag das sein. Ansonsten bleibt abwarten.

Und es gibt natürlich auch noch farbabhängige Kulturgüter wie Comics und Magazine – die ließen sich beide gut verwalten, drängen die Entscheidung aber zu Farbdisplays. Also: Tablet, Zwitter (etwa nook color) oder abwarten (etwa auf farbige E Ink-Displays).

Mein Fall

Ich habe mir, nach dem das Archos 101 IT grässliche Lieferbedingungen hatte, einen Kindle 3 3g zugelegt. Das Fehlen von Funktionen eines Tablets macht der Kindle mit minimalem Gewicht, Display, Laufzeit und weltweitem Mobilfunk-Internet weg. Zum Mobilfunknetz und dem Kindle (2) gibt es Grundsätzliches bei René zu lesen, (kurz: man sollte in den USA wohnen). Schlechte Scans verderben einem aber manchmal die Laune eher, als das auf einem Tablet der Fall wäre. Das liegt an der inflexibleren Zoom-Funktion und dem verhältnismäßig kleinen Display. Ich kann das Gerät unter diesem Umständen gut weiter empfehlen. Für Viele tut die günstigere Variante ohne Mobilfunknetz es sicher auch.

Und was ist mit Tablets? Vermutlich kaufe ich ergänzend zum Kindle eines, dass meinen Netbook ersetzt. Von Apple wird eher nicht kommen. Aber dazu dann mehr…