Taschencomputer, mit denen man sogar telefonieren kann

Wenn man, wie ich, ein wenig technologiebegeistert ist, kommt man heutzutage nicht lange um ein aktuelles Smartphone herum. Der Begriff Smartphone wird manch einem den Windows Mobile- und Symbian-Angstschweiß ins Gesicht treiben, weshalb er für aktuelle Geräte auch kaum noch passend ist:

Das iPhone als handygewordener Taschencomputer macht es zum ersten mal außerhalb von Firmen chic, auf einem überhandflächengroßen Bildschirm zu hantieren, der Wegfall des obligatorischen Eingabestiftes durch ein intelligentes Schmierfinger-Interface nimmt eine weitere Hürde für unbedarfte Alltagsnutzer.

Die Möglichkeiten sind kaum begrenzt – das Gerät bringt einen meist überall mit mal guter, mal nicht so guter Geschwindigkeit ins Internet, man bequem auch mal eine Mail verfassen, einen Schnappschuss machen und hochladen und hat entweder die gesamte oder wenigstens 1/8 einer großen Musiksammlung immer dabei. Auch ein paar Filme kann man durchaus mit auf eine Zugreise nehmen.
Wie Apple es ausdrückt – zu egal welchem Zweck, „There’s an app for that!“

Will man aber in die neue, bunte Welt der Taschen-Allzweckgeräte einsteigen, muss man sich zunächst darüber im Klaren sein, dass man seine Seele verkaufen muss.


Man kann sich sich der väterlichen Fürsorge von Steve Jobs unterwerfen, der mit seinen Lakaien pingelig darauf achtet, was man denn auf dem iPhone machen darf – und vor allem: was nicht. Das hat allerdings einen positiven Effekt auf die Qualität der Programme fürs iPhone („Apps“), die von Steves Gnaden geladen werden dürfen.
Zudem hat man in Deutschland die Freude, mit dem iPhone auch eine Ehe mit der deutschen Telekom eingehen zu dürfen, die sich – dank iPhone-Monopol – wieder aufführt wie zu besten Bundespost-Zeiten und Tarife jenerseits von gut und böse an das iPhone kuppelt. Will man sich von kabelgebundener Synchronisation lösen, kostet das extra – ansonsten muss man sich mit iTunes anfreunden, was unter Windows weniger Spaß macht und unter Linux nicht geht.

Die Alternative ist ein kleiner, freundlicher grüner Roboter, oder auch Android. Es gibt hier etwas mehr Auswahl: Als OpenSource-Software gibt es mehrere Geräte mit dem Android-System – und es werden alle drei Monate mehr. Man kann sich zudem aussuchen, wessen unschönem Tarif man sich unterwirft – sowohl Vodafone als auch die Telekom bieten momentan Android-Handys an.
Android ist aber noch ganz nicht so poliert und ausgefeilt wie die iPhone und auch die Hardware hinkt etwas hinterher – beides sollte sich mit der nächsten Geräte-Generation deutlich bessern. Zudem kauft man bei einem Android-Handy kein Handy mit fest installiertem Speicher – man kann bequem von 1GB bis 64GB mit einer microSD-Speicherkarte aufrüsten – was billiger ist, als ein größeres iPhone zu kaufen. Deutlich.
Zwar gibt es viel gute Software für das Android-System, aber bis zum Angebot und zur Qualität des Appleschen Appstore-Angebots braucht es noch etwas – dafür kann jeder Software für das System anbieten und veröffentlichen.
Und dann wäre da noch die Schiwegermutter in der Ehe – Android wird massiv von Google mitentwickelt und unterstützt – daher auch das „with Google“-Gütesiegel, das manche Geräte tragen. Das hat den enormen Vorteil für Google-Jünger, dass sich Kalender, Mail und Kontakte völlig von selbst, ohne Kabel und Sync-Probleme nach einmaligem eingeben der Google-Anmeldedaten ins Handy fortan völlig von selbst abgleichen. Folglich ist der Nachteil, dass man ab sofort Google-Zulieferer ist.

Dann wäre da noch Alternative Nummer drei: das Palm WebOS ist der geistige Nachfolger der alt-ehrwürdigen Palm-Dynastie von Handhelds und Smartphones. Dank massiver Geldspritze hat Palm noch einen letzten Versuch starten können, das eigene Haus auf Linie zu bringen: Das Ergebnis ist ein bisher alleinstehendes, schickes Gerät mit spannenden Ideen – aber mit (bisher) verschwindend geringer Programmauswahl. Es soll wie Android im Gegensatz zum iPhone autark vom Computer funktionieren und bringt gar eine Ladestation mit, die das Handy mit Magneten fixiert und kabellos den Akku lädt. Man setzt auf Innovation mit einem geschlossenen System (das auf Linux basiert…). Was das bedeutet, wird sich bei WebOS erst noch zeigen müssen.

So weit für den unbedarften Nutzer – man kann sich natürlich auch die Hände schmutzig machen:
Mit Gebastel lässt sich alles (auch raubkopierte Software) auf dem iPhone ausführen oder das Android-Gerät mit Vollzugriff bedienen und von Google befreien (so man denn überhaupt ein „with Google“-Gerät hat). Auch für den Palm Pre deuten sich Bastellösungen an. Zwar wird einem mit Garantieverlust gedroht, was sich aber weder gut erklären lässt noch durchgesetzt wird, soweit es mit bekannt ist. Schließlich lässt sich entweder das Gerät durch einen Handware-Schaden nicht mehr starten, was von der Software nicht abhängig ist, oder man hat das Betriebsystem verbockt… und muss sie eben neu installieren. Verbockt man allerdings die Firmware, die das Neuaufspielen des Betribssystems regelt, dann ist man gekniffen – das wird dem Hardcore-Bastler vielleicht passieren, dem Anwender von fertigen Dritt-Lösungen aber kaum. Die sind die Regel und beim iPhone selbst für Laien mit einer Anleitung kein Problem.

Vat to do, vat to do…
Die drei großen Hindernisse sind also der Vertragspreis (weil der Gerätepreis weniger ins Gewicht fällt), die Aufgabe von Freiheit der Nutzung oder das Binden an eine Datenkrake und zuletzt: eine recht bescheidene Akkulaufzeit. Fast alle Geräte halten bei starker Nutzung gut einen Tag durch, bei mittlerer Nutzung vielleicht gerade so drei.

Der Vertragspreis lässt sich umgehen: Man kauft man das Gerät von einem Händler, der Vertragsverlängerungsgeräte weiter verkauft. Dazu nimmt man einen Vertrag ohne Handy, mit einem Datentarif für 10€ pro Monat oder einem Gigabyte Volumen mit einem Monat Gültigkeit für 10€, spart man bei einem Android-Handy bis zu 50% der Kosten zum offiziellen Anbieter. Zudem hat man freie Anbieterwahl. Nachteil: Der Gerätepreis sofort voll gezahlt werden.

Mit wenig Bastelei, leicht zugänglicher Software und guten Anleitungen kann man iPhone und Android von Ärgernissen befreien und das erworbene Eigentum nach eigenen Vorstellungen benutzen. Nachteil: Man muss sich eventuell von Garantie und manchen Bequemlichkeiten verabschieden, die die Bindung an den Gerätepaten bietet.

Für die Akkulaufzeit gibt es verschiedene Rezepte. Die iPhone-Lösung heißt: Zukaufen. Dicke Ansteck-Batterie als zweite Haut, Autoladekabel (bzw. Zigarettenanzünder zu USB-Adapter), neues Gerät. Bei Android-Handys kann man natürlich auch das besagte Autoladekabel kaufen, allerdings auch eine stärkere Batterie – die lässt sich dank freiem Zugang genau so tauschen wie die Speicherkarte. Man kann aber auch die vielfältigen Energiemanagement-Einstellungen des Android-Systems an die persönlichen Vorlieben anpassen, was bereits deutliche Laufzeitgewinne bringt.

Man mixt sich also seinen Cocktail, wies einem am Besten schmeckt und harrt der Dinge, die da kommen. Die Umstände auf dem Markt ändern sich alle zwei Monate, hauptsächlich getrieben durch eine kommende Schwemme von Android-Geräten mit besserer Hardware und der 2.0-Version der Software. Man darf gespannt sein.

Fortsetzung folgt: Meine Hochzeit mit dem Android (und: die Schwiegermutter).

 

4 Gedanken zu „Taschencomputer, mit denen man sogar telefonieren kann

  1. Was die Eingriffsmöglichkeiten ins System betrifft, scheint mir die Maemo-Plattform von Nokia die freieste zu sein. Für Webpads ohne Mobilfunkteil gibt es die schon länger, und bald kommt das erste Smartphone damit (Nokia N900)

  2. Tach der Herr ;o)
    Nu hab ich auch mal den Durchblick dank deiner ausführlichen Erklärung. Bis ich allerdings auf son Dingen umsteig, wird noch ne Weile dauern…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.