Im Zuge meines M.A.-Studiums Innovations- und Change-Management könnte es hier auf absehbare Zeit etwas VWL/BWL-lastig werden. Ich habe vor, diverse Studieninhalte hier zu verwerten – quasi als Schnupperstunde in mein Studium. Wenn möglich, sollen auch Bezüge zu anderen Blog-Themen hergestellt werden. Und los gehts:
Benchmarking wird beschrieben als eine methodische und systematische Analyse zum Zweck eines Vergleiches von Prozessen, Strategien und Produkten innerhalb einer oder zwischen verschiedenen Organisationen. Ziel des Vergleichs ist das Ermitteln des besten Beispiels (“best practice”) und dessen Adaption. Ein Benchmark ist dabei ein Referenzpunkt – der Begriff wird gerne auf die Markierung an der Werkbank zurückgeführt.
In der Entwicklung des Benchmarkings gibt es grob drei Phasen:
Anfang des 20. Jahrhunderts hat Henry Ford die Idee der Fließbandproduktion von einer Großschlachterei auf die Automobilfertigung übertragen, um die 50ger bis 70ger Jahre wurde der Begriff dann in verschiedenen Disziplinen verwendet – unter anderem auch in dem heute geläufigen Gebrauch bei dem Vergleich von Computerleistungen. Xerox führte 1979 Benchmarking als Managementkonzept ein und begründet damit die heute geläufige Bedeutung des Begriffs.
Inwischen gibt es nationale und internationale Organisationen, die Benchmarking bewerben, verbreiten und Benchmarking-Partner vermitteln. In Deutschland ist eine Anlaufstelle das Deutsche Benchmarking-Zentrum und international das Global Benchmarking Network.
Unterscheidungen gibt es bei Benchmarkings nach, Ursprung der Daten und dem Gegenstand des Vergleichs.
Daten können aus dem eigenen Unternehmen kommen (Internes Benchmarking) oder von einem fremden (Externes Benchmarking). Internes Benchmarking hat den Vorteil, dass die Risiken gering ausfallen: möglicherweise sensible Daten verlassen das Unternehmen nicht. Der Nachteil ist, dass auch der mögliche Erkenntnisgewinn stark eingeschränkt ist: bei einem Externen Benchmarking sieht man über den Tellerrand und vergleicht sich mit branchenfremden Organisationen (Branchenunabhängiges Benchmarking), den direkten Mitbewerbern (Konkurrenzbezogenes Benchmarking) oder einer Branche (Branchenbezogenes Benchmarking).
Hier wird immer Risiko gegen nutzen aufgewogen – der Kompromiss des Branchenunabhängigen Benchmarkings ist, dass zwar der direkten Konkurrenz kein Einblick in das Unternehmen gegeben wird, aber trotzdem der Erkenntnisgewinn eines Vergleichs mit andere Organisationen ermöglicht wird.
Nach dem Vergleichsgegenstand ergeben sich folgende Unterscheidungen: Produkt-Benchmarking, Prozess-Benchmarking, Strategisches Benchmarking. Ein Beispiel für Produkt-Benchmarking wäre Reverse Engineering – das Sezieren und der Nachbau des Konkurrenzproduktes zum Vergleich des Aufbaus und der Komponenten mit dem eigenen Produkt. Prozess-Benchmarking und Strategisches Benchmarking sind abstrakte Kategorien; Strategien und Prozesse in Organisationen sind nicht leicht zu beschreiben und zu erfassen – das Übertragen und die Schaffung von Vergleichbarkeit erfordern Aufwand.
Als Beispiel zur Abgrenzung soll der Betriebsvergleich dienen: Der Betriebsvergleich ist unsystematisch und intuitiv, beruht auf Sekundärquellen und verfügt (auch daher) über einen geringen Grad an nutzbaren Details. Er ist beschränkt auf Rechnungswesen, Bilanz und eingesetzte Technik sowie auf gesamte Unternehmen – ein Vergleich Prozessen ist nicht möglich.
Die Probleme des Benchmarking sind vielfältig: Zunächst kosten gründliche Analysen nicht nur viel Geld, sondern gegebenenfalls auch Arbeitszeit betriebseigener Experten, weil Prozesse schwer vergleichbar sind und daher Experten für die Analyse benötigt werden. Bei vielen Arten des Benchmarkings ist ein Austausch von sensiblen Daten notwendig – selbst innerbetrieblich sind zwischen Abteilungen oft Barrieren vorhanden, die eine Durchführung erschweren. Eine Atmosphäre des Vertrauens und eine Unternehmenskultur, die sich den Vorteilen von Benchmarking und der Bedeutung von ständiger Entwicklung betont, ist notwendig.
In der Volkswirtschaft wird Benchmarking auch für Standortvergleiche genutzt, etwa für Länder (z.B. im Global Competitiveness Report), Regionen oder Branchen.
Soweit zu einer kleinen Zusammenfassung über Benchmarking. Zum Einstieg in das Thema (und als Quelle für diese Informationen) kann man Siebert, G./Kempf, S. (2002) lesen, Wikipedia tuts aber dafür auch. Der interessierte Leser sucht vielleicht lieber direkt Literatur für sein Bezugsgebiet (“Benchmarking in der Bildung” stach mir ins Auge), die ist dann vermutlich auch deutlich stärker an Seiten ;)
Quellen:
- G./Kempf, S. (2002): Benchmarking, 2. Aufl., München u.a.
- Wikipedia: Benchmarking in der Betriebswirtschaft
ich glaub das Konzept ist schon so alt dass man inzwischen wissen koennte wofuer es gut ist und wofuer nicht. Nach meiner Erfahrung: die Zahlen muessen “hart” sein und direkt aus transaktionalen/operationellen quellen kommen, nicht von Hand irgendwo eingetippt. Und sie muessen “tweaksicher” sein, sonst wird am Input gedreht damit der gewuenschte Output herauskommt. Und vor allem: nicht mit Zielen verknupfen, sondern nur zur Info, als Diagnosetool. “the moment a measure becomes a target,it ceases to be a measure” http://en.wikipedia.org/wiki/Goodhart%27s_law