tent – soziale Netzwerke lernen von eMail

Wenn man von sozialen Netzwerken spricht, redet man meist davon, dass sich Menschen vernetzen – im technischen Sinne sind es aber eigentlich keine Netzwerke, denn sie werden von einem Anbieter betrieben und erlauben, nach ihren Regeln, die Nutzung von Anwenderprogrammen mit ihren Schnittstellen.

eMail hingegen ist ein Regelwerk, das definiert, wie Nachrichten ausgetauscht werden. Wenn man diesem Regelwerk folgt, kann man eigene Server- und Anwendungssoftware schreiben, die mit jeder anderen Software reden kann, die dem Regelwerk folgt. Das befreit die Nutzer davon, einem Anbieter verpflichtet zu sein und ermöglicht ein Ökosystem aus verschiedenen Server- und Anwendungsprogrammen. In Folge steht hinter dieser Kommunikationsform auch technisch ein Netzwerk aus unterschiedlichen Servern und Anwendungsprogrammen, die Informationen austauschen.

Mit tent soll dieser Ansatz auf soziale Netzwerke übertragen werden. Damit wird ein Fallstrick entfernt, der bei Diaspora und status.net bestand: der Erfolg der Ansätze ist abhängig von der einen Software, die deren Sprache spricht. Wenn der Ansatz von tent fruchtet, gibt es bald eine Reihe von Server- und Anwendungssoftware, die auf verschiedene Wege die gleichen Aufgaben erfüllen, von verschiedenen Programmierern und Herstellern gepflegt und betrieben wird.

Das kann allerdings noch eine Weile dauern. Bisher gibt es Testinstanzen einer offiziellen, freien Server- und Anwenderlösung und eine Reihe an ersten Projekten. Die Entwickler weisen auch schon auf andere Anwendungsmöglichkeiten des Protokolls hin: eine Implementierung und Abrechungsmöglichkeit für Remix-Content schwebt ihnen vor.

Der Protokoll-Ansatz verspricht jedenfalls mehr Spannung als App.net – und Diaspora könnte durch die Implementierung des tent-Protokolls an neuem Leben gewinnen.

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