Mechanische Tastaturen

Ich sitze jeden Tag acht oder mehr Stunden vor einer Tastatur und habe mich – inspiriert durch meine neuen Kollegen – deshalb entschieden, mir zum Geburtstag mal eine gute Tastatur zu schenken. Was meine Recherche so ergeben hat, wollte ich kurz und übersichtlich aufschreiben – vielleicht klappt das ja sogar.

Die Theorie

Anständig bedeutet bei Tastaturen in meinem Fall mechanisch. Ergonomischer sind mechanische Tastaturen generell ein bisschen – aufgrund ihrer Schalter, nicht ihrer Form. Die verwenden keine Gummikuppen unter den Plastikkappen (in Folge Keycaps) basierend, wie man es in der Regel gewöhnt ist. Stattdessen sind sie auf unterschiedliche Arten mechanisch und verwenden in der Regel eine Feder. Dadurch hat man eine Auswahl an Widerstand und Weg für die Auslösung der Taste und drückt sie in der Regel nicht so schnell durch. Das schont Vieltipper deutlich und erhöht offenbar auch die Tippgeschwindigkeit für manche Anwender. Ich fand es vor allem nach kurzer Zeit deutlich angenehmer.

Generell halte ich drei Arten von Schaltern für erwähnenswert. Als erstes gibt es da die Buckling-Spring-Schalter, in denen namensgegebend eine Feder zur Seite ausschlägt, wenn man sie drückt. Heute kennt man sie noch von den legendär gewordenen IBM Model M Tastaturen, die der gleiche Hersteller inzwischen unter eigenem Namen verkauft. Sie sind leider riesig und hässlich. Außerdem recht laut.

Für die beiden anderen verwende ich Cherry MX-Schalter als Beispiele, da diese weitestgehend das sind, was man so haben möchte. Die diversen Knockoffs verwenden oft nicht die gleichen Farbcodes, daher ist da ein bisschen Vorsicht geboten. Generell machen diese Schalter ein Geräusch, wenn sie komplett durchgedrückt werden. Dagegen gibt es Dämpfungsringe, die zwischen die aufgesteckte Keycap und den Schalter eingebaut werden. Sie machen das Durchdrücken zusätzlich weniger unangenehm, wenn man es nicht vermeiden kann. Was man sollte.

Zunächst die langweilige Alternative: Lineare Schalter lassen sich unterbrechungsfrei durchdrücken und werden offenbar gerne in Gamingtastaturen verbaut. Da gibt es von Cherry die roten und die schwarzen Schalter. Die Roten sind leichter zu drücken.

Interessanter finde ich taktile Schalter, die eine spürbare Rückmeldung geben, wenn sie schalten. Manche geben dabei einen zusätzlichen hörbaren Klick von sich, das sind die blauen und die grünen Cherry-Schalter. Die blauen sind leichter zu drücken. Zu guter letzt gibt es taktile Schalter, die nicht klicken: braune und transparente (clear). Die Braunen sind leichter zu drücken.

Abgesehen von den Schalten muss man sich noch überlegen, wie die Tastatur denn an sich aussehen soll. Neben wilden ergonomischen Konstruktionen und Gaming-Varianten gibt es da vor allem zwei spannende Varianten: Tenkeyless (TKL, ohne Nummernblock) und 60%-Layouts. Bei letzteren sind viele Tasten dreifach belegt und benötigen die FN-Taste, dafür hat man mit den Fingern weniger Weg zurückzulegen. Dazwischen existieren ein paar Variationen, aber mein td;lr ist bisher: Zum Spielen TKL, zum Programmieren und Schreiben 60%.

Damit man jetzt nicht mit einem Haufen Parameter zu Saturn läuft und unglücklich wird, hier noch etwas für…

Die Praxis

Direkt zur Sache: Das Nonplusultra der Nerdelitetastaturen ist wohl die Vortex KBC poker 3 oder kurz Pok3r. Dabei handelt es sich um eine 60%-Tastatur. Diese Tastatur ist hart nerdig, was sich zum Beispiel durch eine interne Programmierfunktion für drei Tastaturbelegungsebenen ausdrückt. Sie ist außerdem sehr gut.

Die Pok3r gibt es mit allen Cherry-Switches, in weiß und schwarz und mit und ohne Hintergrundbeleuchtung. Ich hätte gerne noch eine Reihe F-Tasten an dieser Tastatur und die Pfeiltasten unten in die Ecke gequetscht, aber man gewöhnt sich vermutlich schnell um. An die Optionsvielfalt der Pok3r kommt die Konkurrenz quasi nicht heran, dafür kostet sie allerdings auch zwischen 135 und 150 Euro. (Spoiler: es geht auch noch wesentlich teurer)

Für zuhause habe ich zum Spielen eine Lioncast LK20 geschenkt bekommen, die ich sehr mag und auf der ich auch gut tippen kann. Sie hat braune MX-Schalter und ein TKL-Layout. Eine Pok3r mit deutschem Layout hatte ich für die Arbeit kurz getestet, konnte sie aber nicht brauchen (siehe unten), obwohl ich sie an sich gut fand. Ich bin nun bei einer Qisan/Ajazz-Tastatur mit 70%-US-Layout und nachgebauten Cherry Blue-Schaltern gelandet. Diese Tastatur macht viel Spaß und die Kollegen scheinen das Geklicker zu ertragen. Es gibt sie nur mit Hintergrundbeleuchtung und blauen und schwarzen Cherry-Nachbauten. Sie kostet verträgliche 60€.

Meine generelle Empfehlung sind braune Cherry-Schalter mit Dämpfungsringen, es sei denn, ihr habt wirklich gerne lautes Geklacker. Wenn man mehr Widerstand haben möchte, gibt es auch die Clears – die konnte ich leider noch nicht testen. Würde ich jetzt eine Tastatur kaufen, wäre das wohl eine Pok3r in schwarz mit braunen oder klaren Schaltern und US-Layout.

Was ich sonst so gelernt habe:

  • Das DE-ISO Tastaturlayout ist Dreck. Ihr wisst ja, dass Sonderzeichen auf dem deutschen Mac und deutschen PC komplett unterschiedlich sind, nicht wahr? Surprise, das ist eine deutsche Eigenheit. US-ANSI und Mac sind nahezu identisch. Das macht euch wahnsinnig, wenn ihr eine DE-ISO-PC Tastatur am Mac betreiben wollt. Lösung: Steigt komplett auf US-International um, wenn ihr die Tastatur wechselt. Das kann auch Umlaute. Und wirkt nach einiger Zeit auch wesentlich sinnvoller.
  • Logitech baut inzwischen lieber selbstentwickelte Switches für High-End-Tastaturen, weil die Cherrys schwerer zu beleuchten sind.
  • Amazon Prime is auch nich mehr, wasset mal war…

Update: Bissl frisiert. An der Bewertung und den Einschätzungen hat sich seit einem Monat nichts geändert.

 

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