Tabletmarkt 2011: Apple machts sich gemütlich

Apple liefert pünktlich das Update zu seinem von der Konkurrenz gerade erst wirklich angetasteten Tablet-Device aus und baut damit seine unangetastete Führung aus. Das neue Gerät ist eine Frischzellenkur, die an den Prinzipien des Gerätes nichts ändert – es gibt eben auch keine Not. Mehr vom Bewährten, und eleganter: Dünner, leichter, schneller. Und mit Kameras.

Bemerkenswert ist, dass sich Apple nicht dazu bringen konnte, das iPad alleine lauffähig zu machen: Das post-PC-Gerät, wie Apple es nennt, muss nach dem Kauf erst einmal an einen Computer mit iTunes angeschlossen werden. Das iPad hätte es nach seine Erfolgsgeschichte und dem Anspruch eines Gerätes, dass für viele Nutzer die kompletten Technologiebedürfnisse abdecken kann, durchaus die Eigenständigkeit verdient. Aber Apple wäre nicht Apple, würde man Kontrolle abgeben.

Neben den Kameras vorne und hinten (und der Apple-eigenen Videotelefonie-Software Facetime) ist die zweite echte Neuigkeit die Fähigkeit, den iPad-Bildschirm gleichzeitig über HDMI auszugeben. Standesgemäß für einen $39-Adapter. Wie die Notwendigkeit für Adapter für Apple akzeptabler ist als ein zusätzlicher Port am Gerät – ob Platz oder Ästhetik nun das Kriterium sind – muss nicht einleuchten.

Die Erfolgsgeschichte des iPads ist eben vor allem eine Blamage der Konkurrenz, die jetzt erst – ein Jahr nach der Vorstellung des iPad – ernst zu nehmende Geräte auf den Markt bringen kann (was größtenteils erst in den nächsten Monaten geschehen wird). Die Android-Faktion und der Rest (WeTab und das webOS-Tablet von HP) können derzeit noch nichts vorweisen. Ausnahme ist Motorola, das gerade das Xoom auf dem amerikanischen Markt bringt.

Die Riege aus RIM, HP und diversen Android-Herstellern stellt derzeit Tablets vor, die von der Leistung her dem iPad 2 je nach Komponente leicht über- oder unterlegen ist. Die Hardwareleistung ist wenig ausschlaggebend, lediglich USB-Host-Ports und ähnliche Anwendungen sind für manche Kunden ausschlaggebend.
Apple kann deshalb in Sachen Betriebssystem voll seine Erfahrung ausspielen und durch das (befremdliche) Beibehalten der Displayauflösung aus der ersten Generation auch alle bestehenden Apps ohne Änderung durch entwickler auf dem iPad2 anbieten. Die Konkurrenz baut auf eine frische Tablet-Version von Android mit wenig optimieren Apps – RIM und HP bauen gar eigene Systeme, die nicht offen sind. Ob HPs webOS von der vorherigen Verwendung auf Handys profitieren kann, ist nicht klar.

2011 wird für mobile Rechner das Jahr, dass 2010 hätte werden sollen – Apple wird das nicht stören. Die Konkurrenz hat für den Markteinstieg alle günstigen Termine verpasst. Inzwischen kann man selbst bei Apple-abgeneigten Nutzern die lauten Überlegungen beobachten, sich das iPad aus Trotz zu kaufen.

Nachvollziehbar. Ich brauch auch bald ein neues Netbook.

 

Querverweise
  • Die Wette, bei der ich mich ordentlich zugunsten des iPads verschätzt hatte, ist inzwischen beglichen.
  • Für das digitale Lesen dürfte das iPad durch neue Leichtigkeit und Dünne bequemer und daher attraktiver werden.
  • Eine bösere Zusammenfassung zum iPad2 (für die Konkurrenz) findet sich bei MacWorld.
 

Ein großer iPod touch, nichts weiter

Die Überschrift sagt alles. Das gestern vorgestellte iPad ist vor allem ein iPod touch. Es kann nicht mehr als ein iPod touch, in den durch Vergrößerung mehr Hardware passt.

Der kleinste Apple-Rechner im Jahr 2010 ist ein 13″-Macbook. Selbst wenn man ignoriert, dass auf dem iPad ein eingeschränktes Betriebsystem (kein Multitasking, keine Hintergrund-Dienste, keine Telefonie auch bei 3G-Version) läuft, dass sich nur über den Appstore unter Apples voller Kontrolle mit Programmen beladen lässt, zeigt es spätestens die Hardware.

Zwar sind Taktraten heute nicht mehr die Welt, aber 1GHz ist dünn für einen Hauptprozessor, auch wenn die Grafikleistung offensichtlich stimmt. Aber mit einem Blick auf die Anschlussmöglichkeiten klärt sich die Frage entgültig: Das Gerät besitzt lediglich den vom iPhone und iPod bekannten Anschluss. Kein USB-Anschluss, kein SD-Steckplatz.

Das Apple Tablet unterstützt übrigens, genau wie iPod und iPhone kein Flash (nochmal: wir haben 2010). Wenn man sich die Anwendungen ansieht, die damit möglich wären, ist das auch garkein Wunder: Das wäre eine unkontrollierbare Konkurrenz für den einen Appstore als Hauptlieferant für touch-Anwendungen.

Natürlich wird es trotzdem ein Erfolg. Und Spaß macht es sicher auch.

Aber guckt man ein paar Monate weiter (und es kommt in Europa erst in drei Monaten!), wird Apple selbst bei einem Einstiegspreis von $500 (mit lächerlichem Speicher und ohne mobiles Internet) dünn gegen die Masse an günstigen Tegra2-Tablets aussehen. Diese Tablets werden Computer mit vollwertigen Betriebssystemen und höherer Akkuleistung bei gleichen Medien-Fähigkeiten sein.

Apple baut hier weiter an einer Glasspshäre für die treuen Kunden, die in de Spähre glücklich sein werden – während das richtige Leben draußen stattfindet. Das war aber zu erwarten und kann die richtige Strategie sein, während das Kopfschütteln der Außenwelt genauso berechtigt ist.

Diverse Nachträge nach dem Sprung.

…