Nachdem ich ja immer noch nicht so recht raus habe, wann ich was hier reinschreiben soll, drängt sich das Veranstaltungs-Trio im Titel geradezu auf. Der Vollständigkeit halber: Nach der FSA gab es noch ein nicht unerhebliches Ereignis, aber dazu mehr, wenn alles in trockenen Tüchern ist.
Die Freiheit statt Angst-Demo und besagter vierter Zweck fielen in Zeit und Ort zusammen, während die Soirée der Böll-Stiftung sich am Freitag davor platzierte und meiner Aufmerksamkeit erst zufiel, als ich meine Reisepläne dafür noch ändern musste. Aber das tut man ja gerne, gerade vor dem Hintergrund, gerade einen Stapel Papier mit Zweck einer Stipendienbewerbung an eben jene Stiftung gesandt zu haben (Eingang wurde inzwischen bestätigt).
Netzpolitische Soirée der Böll-Stiftung
Die Soirée Freiheit und Überwachung in der digitalen Welt begann mit der allgemein geteilten Verwunderung von Frau Künast über die Verwendung des Wortes “Soirée” und war definitiv ein lohnenswertes Ereignis. Frau Künast, Thilo Weichert und Konstantin von Notz haben mit Jeff Jarvis als Publikumsmagnet über Netzpolitik diskutiert (also heutzutage fast nur Google Streetview, offenbar gibt es nichts wichtigeres). Es war insgesamt gut besucht und die Netzpromi-Szene war versammelt – sehr zu Gunsten meines Gemüts haben sich der Protonerd und der rote Iro eines Kommentars enthalten. Dafür haben Jens Best (der Lebensmüde, der Streetview öffentlich gut findet) und Sebastian Sooth sehr gute Beiträge geleistet und Fragen gestellt, die zumeist von den Politikern nicht verstanden wurden. Hier konnte Konstantin von Notz leider nicht ausreichend vermitteln oder übersetzen. Jeff Jarvis hat weitestgehend geglänzt, Frau Künast hat mich leicht positiv überrascht (twitternde Anwesende offenbar weniger) und Thilo Weichert hat sich in eine Sackgasse gesteuert, ohne viel zu merken.
Revolutionäre Erkenntnisse oder Neues gab es aus meiner Sicht nicht (ich lasse mich da gern korrigieren).
Ich teile die öfter gelesene Meinung, dass die Grünen durch Ausrichtung des Soirées Willen zeigen, Netzpolitik zu betreiben. Mit der Soirée sollte jetzt etabliert sein, dass Datenschutz nicht das einzige Thema in der deutschen Netzpolitik sein kann, sondern öffentliche Daten ein Vorgeschmack auf noch kommende Themen sind, die das Feld erweitern.
Es war übrigens auch sehr nett, Friedrich Lindenberg (Stichwort OpenData) und Simon Bierwald (Stichwort netlabel, Fotograf) dort zu treffen, ebenso Birgit von den NRW-Piraten. Fotos gibts hier.
Freiheit statt Angst
Kleiner Zeitsprung: Ich komme Freitag in Berlin an, melde mich telefonisch bei meiner im FSA-Wiki gefundenen Schlafgelegenheit (danke nochmal an Nico!) und wir verabreden uns zwecks Absprache “im Büro”. Eine halbe Stunde später stehe ich etwas verwundert im Demo-Büro der Freiheit statt Angst und ein paar Minuten später taucht Padeluun auf. Okay. So fix ist man in Berlin im Geschehen.
Aber zurück zur Demo. Nach einem Frühstück und Spaziergang durch Kreuzberg bin ich recht früh am Potsdamer Platz gewesen, hab ein paar Fotos von den Vorbereitungen gemacht und bin anschließend nach kurzem Abstecher zur TU Berlin vor Demoanfang rechtzeitig gekommen, um die Thüringer Piraten zu finden und anschließend kurz Jens Best zu treffen. Alles weitere sieht man dann auf den Fotos.
Zu bemerken wäre noch, dass man mit den JuSos Mitleid haben musste: Vier JuSos begleiteten ihren Lautsprecherwagen, der ansonsten von Technikpersonal begleitet wurde. Die Grünen und die FDP betreiben zwar auch Politik, die ihre Teilnahme an der Demo lächerlich erscheinen lässt, sie waren aber wenigstens merkbar anwesend (die Grünen sogar mit Abgeordneten). Aber von der eigenen Seite so stehen gelassen zu werden, während einem die Piraten hinterherlaufen… bitter.
Selbige waren natürlich am Stärksten vertreten. Mehrere Wagen und die Jungen Piraten nochmal mit eigenem Wagen. Schön gemacht. Die Grünen waren der nächst größere Block. Der CCC bekommt wohl den Preis für die beste Musik am Wagen und der Foebud hat am Schönsten gebastelt. Kann man sich hier ansehen.
Alles in allem eine sehr gelungene Veranstaltung, leider weniger gut besucht als letztes Jahr. Hier gibts die Zusammenfassung der Veranstalter.
Ich bin endlich mal in die C-Base gekommen (da waren auch die Freiburger Piraten und andere Bekannte) und habs mir nicht nehmen lassen, das Paul-Löbe-Haus nochmal von Innen zu begutachten. Die “Sprechstunde” der Enquette für Internet in der Gesellschaft (EIDG) war allerdings wenig erhellend und für Diskussionen war wenig Zeit. Der Berlin-Besuch endete traditionell mit einer Erkältung.
15. Deutscher Trendtag
Die Erkältung bin ich so gerade eben noch losgeworden, bevor es früh am Mittwoch nach Hamburg zum Trendtag ging. Studenten haben dankbarer Weise mit der FH Nordhausen einen ermäßigten Eintritt und günstige Beförderung organisiert, allerdings musste alles an einem Tag stattfinden, weshalb Cory Doctorows Lesung samt Afterparty für mich flach fiel. Dabei war das vermutlich neben den Vorträgen von Douglas Rushkoff und Manuel Castells das Tageshighlight.
Mangels Hintergrund der Welt von Trendforschung und Marketing hatte ich mir die Veranstaltung als eine Horrorszenerie ausgemalt, wo schick gekleidete Leute in teurem Ambiente leere Anglizismen und sonstige Worthülsen um sich werfen. Das war nicht ganz falsch: Alle vorgestellten Konzepte waren nicht neu, wurden aber unter dem Oberbegriff Flow.Control. (die Punkte sollen wohl so) gesammelt und enthielten Bekanntes aus Organisationsenwicklung und Systemtheorie. Das hat viele Gäste offensichtlich begeistert. Eine Veranstaltung für Studierende und Wissenschaftler war es eben nicht. Oder es liegt an meinem Alter – Schnitt war ehr 45+ als 30. Vielleicht begreift man in meinem Alter schon vieles als selbstverständlich, was anderen eine neue Denkweise ist. Ähnliche Gedanken wurden auch angeschnitten… Aber den Trend, Jüngeren zuzuhören, gibt es schließlich nicht.
Horror wäre jedenfalls zu weit gegriffen, auch wenn Herr von Hirschausens Kalauer teilweise schwer zu ertragen waren.
Jimmy Wales war auch da und hat den tausendsten Preis bekommen, dafür, dass er irgendwie doch an Wikipedia beteiligt war/ist, oder so. Nico Lumma hat hier nochmal eine Zusammenfassung geschrieben. Meine Fotos gibts hier.
Trotz noblem Privathochschul-Ambiente gestaltete sich die Bereitstellung des angekündigten WLANs und der Anschluss eines Macs an den Projektor offenbar als unüberwindbare Hürde und es war überraschend eng. Das mag jetzt kleinlich wirken, aber in dem pompösen Rahmen ists eben doch bemerkenswert. Wer von Trends redet und an etablierten Technologien scheitert, wirkt wenig glaubwürdig. Dafür gabs ein paar Tesla Roadstars zu bestaunen und trauige Gegenstücke anderer Hersteller zu bemitleiden.
Und nun kehrt wieder ein ruhiges Studiensemester fernab großstädtlicher Events in Nordhausen ein…