Piraten, immer nur Piraten

Posted on 22nd Oktober 2011 in Politik

Jens macht es einem als Pirat nun beileibe nicht leicht, ihm zu folgen (pun intended). Den “Machst du es irgendwo besser?”-Reflex muss man erstmal runterwürgen; ohne irgendwo Rechenschaft ablegen zu müssen scheint es leicht, den Finger in fremde Wunden zu legen.
Es lohnt sich trotzdem öfter mal. Ich habe also zwei Anmerkungen, die erste ist dreiteilig…

Die Piraten sind zum großen Teil ein streitlustiger, mal mehr, mal weniger motivierter Haufen an Experten, die nicht in ihrem Fachgebiet arbeiten. Ich vermute, dass deshalb die Lösungssuche für dezentrale Beteiligungsprozesse etwas besser und die programmatische Arbeit schleppender läuft – bei selbst organisierten Gruppen ist es nicht so leicht, immer einen Polithistoriker, einen Juristen und einen Organisator dabei zu haben, von Fachexperten mal zu schweigen. Nun könnte man Einwerfen, dass wir nun einmal alles ehrenamtlich machen, mit Verweis auf die Occupy-Bewegungen wegwischen – aber die gibt es noch keine 6 Jahre in einer sich ständig entwickelnden und schubweise wachsenden Form. Wir brauchen auch nicht nochmals beweisen, dass wir große Kraft in kurzer Zeit aufbieten können.

Nun sind aber unsere Mitglieder zwar punktuell in größeren Zahlen aktivierbar, aber nicht ständig tätig. Was keinem von ihnen, so sie denn auch nicht destruktiv tätig sind, zum Vorwurf gemacht werden kann. Aber es bedeutet in der Konsequenz, dass der Großteil der ständigen Arbeit von wenigen gemacht wird. Man muss bedenken, wie viel Zeit wir uns auf Parteitagen nehmen, die Mutigen von den Wahnsinnigen zu trennen, um sie dann ehrenamtlich den Vorstand einer Partei mit (damals) 12 000 Mitgliedern antreten zu lassen und damit die Mutigen und Fähigen in die Hände ihres eigenen Zeitmangagements im Kampf gegen den Burnout zu übergeben. Undankbarer Irrsinn! Dabei erwartet Bürger und Journalist schon von jedem, der nur am Infostand steht, dass Wiki auswendig zu kennen und jede Frage zu beantworten, als würde man täglich zwei Stunden lang Interviews geben.
Aber dann leisten Leute wie unsere politische Geschäftsführerin umwerfende Auftritte, beweisen Resistenz und Kühnheit in einem Ausmaß, das jeden Kritiker umgehend als bornierten Querulanten verblassen lassen und jeden Mailinglistentroll mit einem Hauch verstand Ehrfurcht einflößen. Und ich habe jetzt noch nichts zu Alter und Berufserfahrung der Person gesagt.

Um nun die Kurve zu kriegen: Ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass Piraten immer weniger die Prinzipien klar sind, die mir noch 2009 im Wahlkampf als die einigenden Nenner der Partei schienen. Das Programm war dünner und trotzdem konnte man Menschen auf der Straße anhand von Prinzipien erklären, wie sich Piraten positionieren, ohne das ausformuliert auf totem Holz stehen zu haben.
So erkläre ich mir auch, dass unser Grundsatzprogramm besser weg geht als die hübschesten Flyer, die wir aufbieten können. Mir wirkt es zudem so, als sei der Parteibasis die an den Piratenprinzipien geführte Argumentations- und Denkweise entglitten. Das geht so weit, dass von Vorständen die Definition von Werten gefordert wird – das muss man sich im Piraten-Kontext mal auf der Zunge zergehen lassen.
Vielleicht ist die Mitgliederbasis zu breit gestreut, vielleicht sind die klaren Prinzipien von 2009 auch 2009 eigentlich schon nicht ausreichend gewesen. In jedem Fall befinden wir uns als Partei in der Not, mit philosophischem, und vielleicht auch historischem, Sachverstand nieder zu schrieben, was uns leitet – in einer Sprache, die der Bürger, der Pirat und der anspruchsvolle Kritiker versteht. Als Markierungen für die Startbahn, von der wir gerade abheben.

Was Sebastian Nerz angeht, so haben wir ihn sicher für seine Fähigkeiten gewählt – aber vielleicht nicht als Erklärer und Kommunizierer zur Öffentlichkeit hin. Es ist offenbar nicht seine Stärke. Sein Stellvertreter, der Schatzmeister, der Generalsekretär und der und die Beisitzer/in arbeiten auf beeindruckende Weise und man sieht von außen davon so wenig, wie man vielleicht vom internen Wirken des Vorsitzenden sieht. Einen Berliner haben die Medien ja auch schon lieb gewonnen, der da seine Qualitäten ausleben kann. Wenn der Bundesvorstand seine Aufgabenverteilung prüfen würde, würde mich das freuen.
Genauso, wie es mich freuen würde, wenn andere Bündnisse und Netzverfechter die Piraten als Freund verstehen und behandeln würden, der manchmal einen guten Ratschlag braucht – wie es ihnen selbst nicht anders geht. Demut schadet in dieser Debatte niemandem. Aber den Piraten ihren Beitrag bei der Veränderung dieser Gesellschaft abzusprechen oder anzudeuten, wir könnten am Ende mehr geschadet als beigetragen haben, weise ich als unverschämt zurück. Wir, die Netz- und Zukunftsverfechter, haben nun verschiedene Institutionen geschaffen, die alle eigene Zwecke erfüllen. Alle motivieren unterschiedliche Menschen zur Beteiligung. Vielleicht täte es gut, die gemeinsame Richtung klarer abzustimmen.

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Die Antwort auf das Internet, das Universum und den ganzen Rest

Posted on 25th Mai 2011 in Gesellschaft, Kultur, Politik

Vielleicht ist das vermessen von mir, mich jetzt hier aufzuregen. Ich bin kein Internetnutzer der ersten Stunde. Ich bin gerade noch so in einer Zeit in die Computerwelt und das Netz eingestiegen, in der man nicht ganz umhin kam, sich auch technisches Verständnis aneignen zu müssen. Ich kann Computerteile zu einer funktionieren Maschine zusammenfügen. Ich kann nicht programmieren, meine Kenntnisse beschränken sich da auf ein paar Schulstunden. Ich würde mich als mündigen Nutzer beschreiben.

Ich rege mich natürlich trotzdem auf; über die größere Zahl der Netznutzer, die heute ignorant gegenüber der Technik sind, mit der sich sich bewegen. Und diese Gruppe wächst durch die Massen junger Menschen, die soziale Netzwerke selbstverständlich nutzen ohne dazu grundlegende Kompetenzen zu besitzen. Die iPad- und Chromebook-Zielgruppe.

Etablierte Vertreter konnte man auf der re:publica XI im Kontrast zu Aktivisten, Politikern und Vordenkern gut beobachten. Etwa Blogger ohne Thema und Interesse, denen das Szenetreiben wichtig ist, aber sonst wenig. Leute, die einem in der Ticketschlange sagen, sie wüssten nicht, ob das UMTS-Netz überlastet sei; sie hätten ihr eigenes. Sie hätten auch keine Lust, für die WLAN-Nutzung ihr Passwort zu ändern, sie würden ja schon immer und überall das gleiche nutzen. Und gehen dann bei der Abendveranstaltung auf die Bühne, um zu verkünden, sie wären ja jetzt 13 Jahre im Netz unterwegs. Okay, natürlich halte ich den durchschnittlichen Besucher der rp11 für wesentlich kompetenter.

Von allen Seiten hallt es gerade, diese Netzbefüller mögen doch jetzt bitte mal den Rest der Gesellschaft mitnehmen. Das kann niemand wirklich wollen.
Natürlich könnten auch die Aktivisten, Politiker und Vordenkener gemeint sein – aber die machen das doch schon. Auf vielen Gebieten. Und die Webdesigner, Social Media-Berater und wie sich die neuen Berufe noch nennen? Die sollten sich vielleicht eingestehen, dass die Professionalität den eigenen Reihen weit zu wünschen übrig lässt.

Szenenwechsel: 27c3, der 27. Chaos Communication Congress des Chaos Computer Clubs in Berlin. Ganz anderer Eindruck: mattes Schwarz dominiert bei Kleidungs- und Computerfarbe. Wieder viele interessante Menschen – zum Teil einfach die gleichen wie vier Monate später auf der re:publica XI. Aber das Grundrauschen ist anders. Geschäftiger. Es fühlt sich familiärer an und Ego scheint eine kleinere Rolle zu spielen. Keine sponsorbeladenen Namensschilder. Hier gehört es zum guten Ton, eMails auch GPG-verschlüsselt verschicken zu können – die eigene Festplatte ist sowieso verschlüsselt. Manche bringen ihre persönlichen Daten garnicht erst mit auf den Kongress.

Sind das jetzt die Lehrer, die man sich für die Gesellschaft in Sachen Netz wünscht?
Zwar ist hier jeder gern bereit, sein Projekt vorzustellen, Fachgespräche zu führen und GPG erklärt man sicher auch gern noch (mit einem müden Lächeln und etwas Kopfschütteln). Aber das Nutzen von HTTPS-Verschlüsselung? Man wünscht sich doch, dass Grundlagen bitte erstmal angelesen werden (Fachtermini: “RTFM”) und man dann maximal mit einer interessanten Frage zu einem Thema wieder kommt. Dabei will ich wirklich nicht dem CCC vorwerfen, nicht offen für Interessierte zu sein – im Gegenteil, ich habe den 27c3 als sehr freundliche Veranstaltung erlebt. Aber als Ausbildungsbehörde für die Bevölkerung sieht weder der CCC sich noch ich ihn.

Die Piratenpartei soll natürlich als Anspruchsgruppe hier nicht vergessen werden. Die Beschäftigung mit sich selbst, die ihr immer wieder vorgeworfen wird, halte ich für einen völlig notwendigen Prozess. Die Ziele der Partei und die Ansprüche, die gerade kritisch-sympathisierende Mitglieder gerne erheben, halte ich für völlig überzogen. Die Piraten wählen sich mehr Themen, als sie mit ihren aktiven Mitgliedern bearbeiten können und bekommen von außen noch mehr Themen zugeschrieben. Dabei muss sie ihre Existenz nicht mehr rechtfertigen, ihre direkten und indirekten Effekte haben das längst ausgeräumt – aber ihnen diese Aufgabe zuzuschreiben, wäre wahrlich zuviel verlangt und entspricht nicht der Körperschaft einer Partei.

Es bleibt die Option, dem Staat die Sicherstellung der Mündigkeit seiner Bürger aufzuerlegen. Das fände ich richtig. Wenn man aber einen Blick in die Lehrerbildung und die Politik wirft, verwirft man den Gedanken lieber schnell. Die SZ fasst die Situation zum EG8-Gripfel schön zusammen.

 

Was bleibt also über? Man hilft sich selbst, in dem man anderen Selbsthilfe ermöglicht.
Ich würde mir ein SelfHTML für das Internet wünschen. Ein lebendiges Lehrbuch für das Leben mit oder im Internet. Alle genannten Organisationen hätten das Potential, ein Interesse und die Möglichkeit dem beizusteuern. Auch und gerade die Regierung. Die könnte Device-Herstellern auch eine Selbstverpflichtung nahelegen, eine Verknüfung oder Offline-Variante zu diesem Lehrbuch auf ihren Geräten prominent zu platzieren. Im Interesse der Hersteller wäre das durchaus. Lehrer können es im Unterricht verwenden. Jeder kann es verwenden, überall.

Die Idee lässt sich schnell ausmalen:
Man setzt einen Server mit einer OpenSource-Software zum kollaborativen Buchschreiben auf. Man fängt an, man steckt eine Gliederung ab: Was ist ein Computer? Was ist ein Netzwerk? Was ist ein Browser? Wie surfe ich sicher? – das Rad muss nicht neu erfunden werden, aber eine Prise Didaktik und Textführung sollten die Lerntexte von Wikipedia-Texten abheben.
Und dann schreiben alle Interessierten, wozu die großen Organisationen sie aufrufen und das Netz es im Idealfall aufnimmt.

Ich wünsche mir, dass wir den “Hitchikers Guide to the Internet” schreiben.
In großen, freundlichen Buchstaben steht auf der Startseite:

 

Keine Panik

 

Reiselust: Böll-Soirée, Freiheit statt Angst, Trendtag

Posted on 17th September 2010 in Politik, Technologie

Nachdem ich ja immer noch nicht so recht raus habe, wann ich was hier reinschreiben soll, drängt sich das Veranstaltungs-Trio im Titel geradezu auf. Der Vollständigkeit halber: Nach der FSA gab es noch ein nicht unerhebliches Ereignis, aber dazu mehr, wenn alles in trockenen Tüchern ist.

Die Freiheit statt Angst-Demo und besagter vierter Zweck fielen in Zeit und Ort zusammen, während die Soirée der Böll-Stiftung sich am Freitag davor platzierte und meiner Aufmerksamkeit erst zufiel, als ich meine Reisepläne dafür noch ändern musste. Aber das tut man ja gerne, gerade vor dem Hintergrund, gerade einen Stapel Papier mit Zweck einer Stipendienbewerbung an eben jene Stiftung gesandt zu haben (Eingang wurde inzwischen bestätigt).

Netzpolitische Soirée der Böll-Stiftung

Die Soirée Freiheit und Überwachung in der digitalen Welt begann mit der allgemein geteilten Verwunderung von Frau Künast über die Verwendung des Wortes “Soirée” und  war definitiv ein lohnenswertes Ereignis. Frau Künast, Thilo Weichert und Konstantin von Notz haben mit Jeff Jarvis als Publikumsmagnet über Netzpolitik diskutiert (also heutzutage fast nur Google Streetview, offenbar gibt es nichts wichtigeres). Es war insgesamt gut besucht und die Netzpromi-Szene war versammelt – sehr zu Gunsten meines Gemüts haben sich der Protonerd und der rote Iro eines Kommentars enthalten. Dafür haben Jens Best (der Lebensmüde, der Streetview öffentlich gut findet) und Sebastian Sooth sehr gute Beiträge geleistet und Fragen gestellt, die zumeist von den Politikern nicht verstanden wurden. Hier konnte Konstantin von Notz leider nicht ausreichend vermitteln oder übersetzen. Jeff Jarvis hat weitestgehend geglänzt, Frau Künast hat mich leicht positiv überrascht (twitternde Anwesende offenbar weniger) und Thilo Weichert hat sich in eine Sackgasse gesteuert, ohne viel zu merken.
Revolutionäre Erkenntnisse oder Neues gab es aus meiner Sicht nicht (ich lasse mich da gern korrigieren).
Ich teile die öfter gelesene  Meinung, dass die Grünen durch Ausrichtung des Soirées Willen zeigen, Netzpolitik zu betreiben. Mit der Soirée sollte jetzt etabliert sein, dass Datenschutz nicht das einzige Thema in der deutschen Netzpolitik sein kann, sondern öffentliche Daten ein Vorgeschmack auf noch kommende Themen sind, die das Feld erweitern.
Es war übrigens auch sehr nett, Friedrich Lindenberg (Stichwort OpenData) und Simon Bierwald (Stichwort netlabel, Fotograf) dort zu treffen, ebenso Birgit von den NRW-Piraten. Fotos gibts hier.

Freiheit statt Angst

Kleiner Zeitsprung: Ich komme Freitag in Berlin an, melde mich telefonisch bei meiner im FSA-Wiki gefundenen Schlafgelegenheit (danke nochmal an Nico!) und wir verabreden uns zwecks Absprache “im Büro”. Eine halbe Stunde später stehe ich etwas verwundert im Demo-Büro der Freiheit statt Angst und ein paar Minuten später taucht Padeluun auf. Okay. So fix ist man in Berlin im Geschehen.
Aber zurück zur Demo. Nach einem Frühstück und Spaziergang durch Kreuzberg bin ich recht früh am Potsdamer Platz gewesen, hab ein  paar Fotos von den Vorbereitungen gemacht und bin anschließend nach kurzem Abstecher zur TU Berlin vor Demoanfang rechtzeitig gekommen, um die Thüringer Piraten zu finden und anschließend kurz Jens Best zu treffen. Alles weitere sieht man dann auf den Fotos.
Zu bemerken wäre noch, dass man mit den JuSos Mitleid haben musste: Vier JuSos begleiteten ihren Lautsprecherwagen, der ansonsten von Technikpersonal begleitet wurde. Die Grünen und die FDP betreiben zwar auch Politik, die ihre Teilnahme an der Demo lächerlich erscheinen lässt, sie waren aber wenigstens merkbar anwesend (die Grünen sogar mit Abgeordneten). Aber von der eigenen Seite so stehen gelassen zu werden, während einem die Piraten hinterherlaufen… bitter.
Selbige waren natürlich am Stärksten vertreten. Mehrere Wagen und die Jungen Piraten nochmal mit eigenem Wagen. Schön gemacht. Die Grünen waren der nächst größere Block. Der CCC bekommt wohl den Preis für die beste Musik am Wagen und der Foebud hat am Schönsten gebastelt. Kann man sich hier ansehen.
Alles in allem eine sehr gelungene Veranstaltung, leider weniger gut besucht als letztes Jahr. Hier gibts die Zusammenfassung der Veranstalter.

Ich bin endlich mal in die C-Base gekommen (da waren auch die Freiburger Piraten und andere Bekannte) und habs mir nicht nehmen lassen, das Paul-Löbe-Haus nochmal von Innen zu begutachten. Die “Sprechstunde” der Enquette für Internet in der Gesellschaft (EIDG) war allerdings wenig erhellend und für Diskussionen war wenig Zeit. Der Berlin-Besuch endete traditionell mit einer Erkältung.

15. Deutscher Trendtag

Die Erkältung bin ich so gerade eben noch losgeworden, bevor es früh am Mittwoch nach Hamburg zum Trendtag ging. Studenten haben dankbarer Weise mit der FH Nordhausen einen ermäßigten Eintritt und günstige Beförderung organisiert, allerdings musste alles an einem Tag stattfinden, weshalb Cory Doctorows Lesung samt Afterparty für mich flach fiel. Dabei war das vermutlich neben den Vorträgen von Douglas Rushkoff und Manuel Castells das Tageshighlight.

Mangels Hintergrund der Welt von Trendforschung  und Marketing hatte ich mir die Veranstaltung als eine Horrorszenerie ausgemalt, wo schick gekleidete Leute in teurem Ambiente leere Anglizismen und sonstige Worthülsen um sich werfen. Das war nicht ganz falsch: Alle vorgestellten Konzepte waren nicht neu, wurden aber unter dem Oberbegriff Flow.Control. (die Punkte sollen wohl so) gesammelt und enthielten Bekanntes aus Organisationsenwicklung und Systemtheorie. Das  hat viele Gäste offensichtlich begeistert. Eine Veranstaltung für Studierende und Wissenschaftler war es eben nicht. Oder es liegt an meinem Alter – Schnitt war ehr 45+ als 30. Vielleicht begreift man in meinem Alter schon vieles als selbstverständlich, was anderen eine neue Denkweise ist. Ähnliche Gedanken wurden auch angeschnitten… Aber den Trend, Jüngeren zuzuhören, gibt es schließlich nicht.

Horror wäre jedenfalls zu weit gegriffen, auch wenn Herr von Hirschausens Kalauer teilweise schwer zu ertragen waren.
Jimmy Wales war auch da und hat den tausendsten Preis bekommen, dafür, dass er irgendwie doch an Wikipedia beteiligt war/ist, oder so. Nico Lumma hat hier nochmal eine Zusammenfassung geschrieben. Meine Fotos gibts hier.

Trotz noblem Privathochschul-Ambiente gestaltete sich die Bereitstellung des angekündigten WLANs und der Anschluss eines Macs an den Projektor offenbar als unüberwindbare Hürde und es war überraschend eng. Das mag jetzt kleinlich wirken, aber in dem pompösen Rahmen ists eben doch bemerkenswert. Wer von Trends redet und an etablierten Technologien scheitert, wirkt wenig glaubwürdig. Dafür gabs ein paar Tesla Roadstars zu bestaunen und trauige Gegenstücke anderer Hersteller zu bemitleiden.

Und nun kehrt wieder ein ruhiges Studiensemester fernab großstädtlicher Events in Nordhausen ein…

Der Fall und Stand des guten Gewissens

Posted on 31st Mai 2010 in Politik

Man bringt sich hin und wieder in die Lage, zu etwas Stellung nehmen zu müssen. Im Falle der Piratenpartei weiss jetzt jeder, dass ich von Jörg Tauss rede. Dieser Umstand ist aber vielleicht ein guter, weil ich sowieso darüber nachdenken möchte. Dazu sollte man zunächst sagen, dass ich mit mir zu keiner Zeit nicht im Reinen mit den Ereignissen seit Beginn des Wahlkampfes war und das auch im Hinterkopf behalten, wenn man den folgenden Text liest. Ansonsten bleibt nur zu sagen, dass ich hier nicht mit Prozessbeobachtungen und Analysen zum Fall und Prozess langweilen werde, die anderswo besser dokumentiert wurden als ich das könnte. Hier geht es um mein Erleben, meine Haltung und meine Schlüsse zu dem Fall und zum Menschen Jörg Tauss. Und generelle Positionen und Haltungen, die ich im Zusammenhang erwarte.

Zunächst sollten wir meine Verbindungen zu Jörg Tauss klären, was schnell erledigt ist: Wir sind Mitlieder (genauer: waren Mitglieder) der gleichen Partei. Ich bin Jörg Tauss bei zwei Gelegenheiten begegnet; zum ersten Mal bei der von ihm als Abgeordneten organisierten politischen Bildungsreise nach Berlin (diverse Fotos) und zum zweiten bei einem Piratenpartei-Barcamp in Dortmund (erstes Foto). Das wars in etwa. Ich habe mich nicht lange oder tiefgreifend mit ihm unterhalten. Zu meinem Eindruck kommen wir später.

Von Jörg Tauss habe ich schon vor der Sache gehört, eher am Rande vor ein paar Jahren und dann während des Aufkommens eines Sicherheits- und Kontrollwahns von Herrn Schäuble und Frau von der Leyen, weil er als Politiker seine seltene, vernünftige Meinung zu diesen Themen lautstark vertrat. Meine Wahrnehmung am Rande änderte sich im Wahlkampf 2009 mit der Hausdurchsuchung , dem medialen Verriss des Menschen und der, milde gesagt, traurigen Reaktion der SPD. Ich hatte den Eindruck, dass dem Menschen Unrecht widerfährt, ungeachtet ob und eben gerade wegen dem Vorwurf und in voller Missachtung der gültigen Unschuldsvermutung.
Trotzdem hatte ich zum Parteieintritt zugegebenermaßen gemischte Gefühle. Der Effekt war ein Erdbeben; mit der gewonnenen Bekanntheit kam die Notwendigkeit, Stellung zu beziehen, diskussions- und informationsfest zu sein. Man war nun nicht mehr aus der weltfremden Internet-Spinnerpartei, sondern aus der weltfremden Internet-Spinnerpartei mit dem schwulen, pädophilen Kinderschänder. Das hat einem das Leben im Wahlkampf nicht leichter gemacht.
Trotzdem war ich auch froh über den Parteieintritt. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob es keine schlechte PR gibt. Mir drängte sich aber der Gedanke auf, dass der Mensch, der ein vorweisbares Engagement und Fachwissen in der Netzpolitik, Medienpolitik, Bildungs- und Forschungspolitik von 16 Jahren Erfahrung als Mitglied des Bundestages hat, nicht die kleinste Bereicherung für die Partei wäre.

Einschub einiger Fakten:
Jörg Tauss hat kinderpornografisches Material beschafft, besessen und dies von Anfang an zugegeben. Er gibt als Grund hierfür die Recherche für seine Arbeit im Bundestag an. Er hat nachweislich auf diesem Gebiet bereits gearbeitet. Er hat sich nicht rückversichert, das Material nicht entsprechend gekennzeichnet oder gelagert und niemanden über diese Recherche informiert.
Es gibt zu diesem Zeitpunkt ein nicht rechtskräftiges Urteil, das sagt, dass sich Jörg Tauss kinderpornografisches Matierial beschafft hat und dies nicht hätte tun dürfen; auch nicht aus den von ihm angegebenen Recherchezwecken in seiner Funktion als Fachpolitiker im Bundestag. Jörg Tauss ist vor diesem Hintergrund aus der Piratenpartei ausgetreten.

An dieser Stelle bleibt für mich nun festzustellen, dass ich nicht beurteilen kann, warum Jörg Tauss gehandelt hat, wie er es getan hat. Man kann durch die Charakterbeschreibungen und nachlesbaren Hintergründe durchaus plausibel ein Bild malen, in dem Jörg Tauss arglos und naiv das Richtige tun zu glaubt, während er gehandelt hat, wie und warum er es angibt. Man kann auch davon ausgehen, dass nur Vorwände benutzt werden, um einer Strafe zu entgehen. Aber Beurteilen kann es tatsächlich niemand – wir können nicht in Köpfe sehen, nur eine Annäherung an die Wahrheit ist möglich. Die abschließende Beurteilung ist Aufgabe des Gerichts.
Ich kann nicht nachvollziehen, in wie fern dieses Urteil gerechtfertigt ist. Mir fehlt Fachwissen, Informationen und Überblick. Ich kann nur feststellen, dass meinem Empfinden nach ein Rechtsfrieden nicht hergestellt wurde, dass ich eine Sympathie empfinde und dem Menschen Jörg Tauss alles Gute wünsche, was auch immer das tatsächlich bedeutet. Eine Revision wäre allein schon zur Klärung der offen gebliebenen Fragen zu zweifelhaften Methoden der Staatsanwaltschaft mit den Medien und den Rechten eines Bundestagsmitglieds wünschenswert.

Zurück zu den Fakten.
Mit dem Eintritt in eine Partei, speziell die Piratenpartei, bindet man sich an gewisse Spielregeln. Zunächst an das Gesetz. Für jeden Menschen gilt die Unschuldsvermutung, bis Schuld festgestellt wurde (also ein abschließendes, rechtskräftiges Urteil ergeht). Bis dahin darf dieser Mensch alle ihm gegebenen Rechte ausüben. Entsprechend darf ein Mensch unter diesem Umstand in die Piratenpartei eintreten und dies ist ihm nicht zu verwehren. Alle Rechte als Parteimitglied sind zu gewähren. Und damit ist das Thema erledigt.
Des Weiteren bindet man sich an die Spielregeln des Rechtsstaates: Ein rechtskräftiges Urteil wird anerkannt. Mit dem Eintritt in die Piratenpartei bindet man sich daran, im System zu arbeiten und hat es anzuerkennen. Dies ist nicht optional. Dafür steht die Partei.

Die Integrität, die die Piratenpartei im Umgang mit Jörg Tauss bewiesen hat, wird nicht nur durch Wahlergebnisse bestätigt, sondern festigt mich in dem Entschluss, trotz der chaotischen, jungen Struktur, trotz Querulanten und Uneinigkeit, trotz den in diesem Wachstumsstadium erwartbaren und doch nicht weniger belastenden Problemen in dieser Partei für die Ziele, unter denen sie sich zusammengefunden hat, zu arbeiten. Es wurden die unbequemen und schwere, aber richtigen Entscheidungen getroffen. An dieser Stelle kann sich die Piratenpartei getrost auf die Schulter klopfen, das Haupt heben und auf etwas verweisen, was keine andere Partei in letzer Zeit geschafft hat.

Dass Jörg Tauss aus der Partei nun austritt, ist kaum vermeidbar und zeugt von der Rücksicht, dem Problembewusstsein und der Dankbarkeit, die er der Partei entgegengebracht hat. Dieser Entschluss verdient Respekt, weil er aus freien Stücken kommt und nicht etwa durch eine Parteisatzung unumgänglich wäre. Wut, Trauer, Häme sind hier fehl am Platz. Davon auszugehen, wir würden einen Streiter für die Sache verlieren, weil Jörg Tauss aus der Partei austritt, sollte durch eine kurze Recherche der Person ausgeräumt werden. Davon auszugehen, man müsse nun nachtreten, demonstriert ein unwürdiges Verhalten und ein Unverständnis des Leides, das dem Menschen in aller Öffentlichkeit zuteil wurde; ungeachtet seiner Taten. Man kann hier nichts tun, außer die eigene Unzulänglichkeit bei der Beurteilung anzuerkennen und die Ungereimtheiten des Urteils den Beteiligten zur Klärung zu überlassen.

Die Partei selbst hat zahlreiche Baustellen, um die es sich weiter und überhaupt einmal zu kümmern gilt. Es bleibt Grund zur Zuversicht, denn neben einem faden “wir haben viel geschafft” bleibt ein viel aussagekräftigeres “wir haben ein gutes Gewissen. Wir haben uns nichts vorzuwerfen und demonstriert, dass wir den Rechtsstaat auf eine Weise achten, wie es in der Parteienlandschaft beispiellos ist. Wir haben Durchaltevermögen und Integrität bewiesen, und das ist ein Qualitätsmerkmal, das mehr über uns sagt und uns auf lange Sicht weiter bringt als jedwede Form von Populismus aus Angst vor Presse und Öffentlichkeit.

Flagge zeigen

Posted on 22nd Juni 2009 in Allgemein

anonymous-to-pirate

Bald mehr.

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